Eigengewebe: Schienbein wird zur Knochenfabrik - DER SPIEGEL
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Eigengewebe Schienbein wird zur Knochenfabrik

Größere Mengen von neuem Knochengewebe für Transplantationen könnten künftig am menschlichen Schienbein wachsen. Wissenschaftler haben bei Versuchen mit Kaninchen eine Art Knochenfabrik entwickelt, die weitgehend schmerzfrei körpereigenes Gewebe produziert.
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Nach schweren Brüchen benötigen Patienten oft körpereigenes Knochengewebe, das meist vom Beckenkamm oder vom Hüftbein entnommen und an der verletzten Stelle eingesetzt wird. Eine Operation mit Folgen: Oft leiden Patienten noch Jahre nach dem Eingriff unter starken Schmerzen. Zudem steht bei der OP nur eine begrenzte Gewebemenge zur Verfügung.

Ein neues, von einem internationalen Forscherteam entwickeltes Verfahren soll diese Probleme lösen. Prasad Shastri von der Vanderbilt University in Nashville und seine Kollegen haben Knochengewebe hergestellt, indem sie in Schienbeinen von Kaninchen den körpereigenen Heilungsmechanismus anregten. Dazu schufen sie mit einem selbstentwickelten hydraulischen Hebeverfahren einen 200 Kubikmillimeter großen Hohlraum zwischen dem Schienbeinknochen und der Knochenhaut.

Die Knochenhaut enthält zahlreiche Zellen, die verschiedene Gewebetypen - unter anderem auch Knochengewebe - aufbauen können. Den Hohlraum füllten die Wissenschaftler mit einem kalziumhaltigen Gel, das die Bildung von Knochenzellen fördert.

Die Knochenhaut am Schienbein bildete innerhalb weniger Wochen große Mengen an neuem Knochengewebe. Der neu gebildete Knochen unterschied sich weder in der Druckfestigkeit noch strukturell von herkömmlichem Knochengewebe, berichten Stevens und seine Kollegen im Fachblatt "Proceedings of the National Acadamy of Sciences". Zudem lasse es sich leicht entnehmen, denn es gebe zwischen dem Schienbein und dem gezüchteten Gewebe eine Art Sollbruchstelle.

Als die Forscher das neue Knochengewebe in ein beschädigtes Schienbein transplantierten, integrierte sich dieses vollständig in den defekten Schienbeinknochen.

Um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, wird bei komplizierten Knochenbrüchen körpereigenes, meist vom Hüftbein stammendes Knochengewebe genutzt. Andere Methoden zur Knochenbildung basieren auf der Transplantation von Knochenzellen, die vorher mit Wachstumsfaktoren zur Teilung angeregt wurden.

Prinzipiell sei darüber hinaus denkbar, auch anderes Gewebe - etwa solches der Leber - auf diese Weise nachzuzüchten, erklärten die Forscher.