Endeavour-Mission Blick aus dem Weltall
Cape Canaveral/Oberpfaffenhofen - Ziel der Endeavour-Mission ist die Erstellung einer dreidimensionalen Weltkarte mit einer noch nie da gewesenen Präzision und Schärfe. Dazu musste der 46-jährige Physiker Thiele schon wenige Stunden nach dem Start eine heikle Aufgabe meistern: Er war für das Ausfahren eines 60 Meter langen Radarmastes zuständig, der das dreidimensionale Abtasten der Erde ermöglicht.
Das schwierige Manöver gelang "glänzend", wie eine Sprecherin der US-Raumfahrtbehörde Nasa im Kontrollzentrum in Houston sagte. Im Fall eines Verklemmens hätte Thiele aus dem Shuttle aussteigen und den Mast per Hand ausfahren müssen. So aber brandete in der Bodenzentrale Beifall auf, als sich der 60 Meter lange Antennenmast - die größte feste Konstruktion, die es jemals im Weltraum gegeben hat - Stück für Stück aus der Ladebucht schob und entfaltete. Das Pilotieren der Endeavour "mit dem Riesen" an der Seite sei eine ganz schöne Herausforderung, sagte Astronaut Don Gorie in einem Fernsehinterview aus dem All.
Wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mitteilte, konnte daraufhin im Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) des DLR ein erstes dreidimensionales Bild erzeugt werden, das eine Gebirgskette in der Wüste von White Sands im US-Bundestaat New Mexico zeigt. Die für die digitalen Geländemodelle notwendigen Daten werden an Bord des Shuttles aufgezeichnet; ein Teil davon wird über Telekommunikationssatelliten zum Nasa-Kontrollzentrum gefunkt. Von dort aus gelangen die Daten über geostationäre Satelliten direkt in das DFD in Oberpfaffenhofen, wo sie heute zu einem ersten digitalen Geländemodell verarbeitet wurden.
Die Endeavour sollte ursprünglich bereits im September zu der Vermessungs-Mission starten, aber technische Probleme und Regen hatten den Aufbruch wiederholt verhindert. Auch am Freitagabend hatte sich der Start auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral wegen der Überprüfung einer Luke und eines Pumpen-Sensors erneut um eine knappe Viertelstunde verzögert. Danach ging jedoch alles reibungslos.
Das deutsch-italienische Radarsystem X-SAR und das amerikanische SIR-C sollen gemeinsam 80 Prozent der Landmassen abtasten. Die Karte, die in den kommenden beiden Jahren aus der riesigen Datenmenge erstellt wird, soll im Abstand von je 30 Metern einen bis auf sechs Höhenmeter genau vermessenen Punkt enthalten. Die beste Karte vermerkt bisher nur alle 1000 Meter einen auf 100 Höhenmeter vermessenen Erdpunkt.
Bei dem Projekt arbeiten das DLR, die Nasa, die auch für die US-Militärs tätige nationale Karten-Behörde NIMA sowie die italienische Raumfahrtorganisation ASI zusammen. Das zu DaimlerChrysler Aerospace gehörende Unternehmen Dornier Satellitensysteme GmbH baute das deutsch-italienische Radar.