Entdeckt: Risiko-Gen macht Raucher herzkrank - DER SPIEGEL
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Entdeckt Risiko-Gen macht Raucher herzkrank

Männer mit einer weit verbreiteten Gen-Variante haben nun einen noch besseren Grund, mit dem Rauchen aufzuhören. Die fatale Kombination erhöht das Risiko, an einem Herzleiden zu erkranken, auf das Dreifache.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine Gen-Variante, die etwa ein Viertel der Bevölkerung besitzt, macht männliche Raucher deutlich anfälliger für Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die ein britisches Forscherteam in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht.

Rauchen erhöht zwar generell das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, denn Zigarettenkonsum fördert die Verengung der Arterien. Allerdings scheinen manche Raucher mit größerer Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs, andere dagegen eher an Herzleiden zu erkranken.

Eine Erklärung dafür könnte ein Gen liefern, das bei der Kontrolle der Blutfette eine wichtige Rolle spielt. Das Apo-E-Gen, von dem jeder Mensch zwei Kopien besitzt, gibt es in drei unterschiedlich wirksamen Varianten: E2, E3 und E4. Die Version E4, so berichten die Wissenschaftler, macht Herzkrankheiten bei Rauchern wahrscheinlicher.

Das Team um Steve Humphries vom University College London hatte mehr als 3000 gesunde Männer im Alter von 50 bis 61 Jahren untersucht. Die Teilnehmer mussten über ihre Rauchgewohnheiten Auskunft geben, zudem wurden Cholesterinwerte und andere Risikofaktoren ermittelt. Die jeweiligen Varianten des Apo-E-Gens bestimmten die Forscher per DNS-Test.

Um mögliche Herzleiden festzustellen, mussten sich die Probanden acht Jahre lang medizinischen Kontrollen unterziehen. Im Vergleich zu Nichtrauchern, so zeigte sich, erkrankten Raucher rund doppelt so häufig. Bei Rauchern mit der E4-Variante des Apo-E-Gens dagegen war das Risiko sogar dreimal so hoch.

"Interessant an den Ergebnissen ist, dass der Effekt unabhängig vom Cholesterin ist", erklärt Humphries. "Das bedeutet: Wenn man die E4-Version besitzt und raucht, ist das Risiko hoch - egal wie hoch die Cholesterinwerte sind." Weitere Studien sollen klären, ob das Gen bei Frauen eine ähnliche Rolle spielt.

Ihre Forschungen wollen die Wissenschaftler jedoch nicht als Bestätigung für Raucher ohne die E4-Variante verstanden wissen. "Man darf nicht vergessen", so Humphries, "dass alle Raucher, welche Version des Gens sie auch besaßen, in unserer Studie ein erhöhtes Risiko hatten, an koronaren Herzleiden zu erkranken."

Die nötige positive Motivation, um mit dem Qualmen aufzuhören, liefert möglicherweise eine andere Erkenntnis. Ex-Raucher mit der E4-Version des Gens konnten ihr Risiko fast wieder auf das von Nichtrauchern senken, haben die Forscher herausgefunden.