Enterprise Der Testballon
Eigentlich ist die Enterprise ja der erste echte Orbiter der Nasa - irgendwie aber auch nicht: Denn die Raumfähre durfte zwar ein ums andere Mal auf der Edwards Airbase landen, ein Start ins All war der Enterprise, im Gegensatz zu ihren Nachfolgerinnen, aber verwehrt.
Ursprünglich mit dem Namen Constitution konzipiert, um den 200. Jahrestag der US-Verfassung zu würdigen, bekamen die Nasa-Oberen schnell den Zorn der vereinigten Star-Trek-Gemeinde zu spüren. Kurze Zeit und etliche Postkarten später entschied sich das Weiße Haus für den programmatischen Namen Enterprise.
Im März 1975, nur knapp eineinhalb Jahre nach dem Beginn der Montagearbeiten, war die Enterprise einsatzbereit. 13 Monate später trat der Orbiter seine erste große Reise an - auf dem Boden zur nicht weit entfernten Air Force Base.
Bis zum ersten Flug sollte es noch drei Wochen dauern: Zunächst wollte die Nasa sichergehen, dass die Boeing 747, die den Orbiter Huckepack in die Luft bringen sollte, das 68 Tonnnen schwere Raumfahrzeug auch gefahrlos transportieren kann.
Es folgten lange Tage, an denen der Jumbo auf dem Boden mitsamt der teuren Fracht seine Runden drehte. Die Steuerung und die Struktur des Langstreckenflugzeugs wurden überprüft. Erst im Februar 1977 konnte die Enterprise in die Luft gehen - noch ohne Besatzung.
Die durfte dann im Juni zu letzten Tests mit an Bord kommen, bevor schließlich am 12. August 1977 die Raumfähre zum ersten Mal sich selbst überlassen wurde: In rund 7000 Meter Höhe vom Trägerflugzeug abgekoppelt, kehrte die Enterprise mit Fred Haise und Gordon Fullerton als Piloten sicher zur Landebahn zurück.
Und noch einer Premiere kann sich der Ur-Orbiter rühmen: 1979 wurde die Enterprise, zusammen mit den Feststoffraketen und dem externen Tank, als erstes komplettes Space Shuttle probeweise zur Startrampe in Cape Canaveral gerollt. Zu diesem Zeitpunkt liefen die Vorbereitungen für den Start der Columbia allerdings bereits auf Hochtouren - die Tage der Enterprise waren gezählt.
Es folgten zahllose Auftritte auf Messen und Luftfahrtshows in aller Welt, bevor der erste Orbiter der USA schließlich 1985 in den Besitz der Washingtoner Smithsonian Institution überging.
Die Daten der Enterprise:
- Interner Name: OV-101
- Leergewicht: 68.000 Kilogramm
Alexander Stirn