Erbgut Hoffnung aus den Genen
Im vergangenen Jahr war es noch die Top-Sensation der Wissenschaft. Doch nachdem das Genom des Menschen zumindest in groben Zügen veröffentlicht wurde, sind die Schlagzeilen rund um die Gensequenzen kleiner geworden. Dabei waren die Genetiker auch im zu Ende gehenden Jahr alles andere als tatenlos.
Besonders die Entwicklungsländer sollen, glaubt man den Verlautbarungen der Forscher, zukünftig von den Verheißungen der Genetik profitieren. Ganz oben auf der Agenda steht dabei die Erforschung der Malaria, die vor allem im tropischen Afrika Jahr für Jahr drei Millionen Menschen tötet.
Zeitgleich haben die beiden großen Wissenschaftsmagazine "Science" und "Nature" im Oktober das Genom des Malariaerregers Plasmodium falciparum und des Malariaüberträgers, der Anophelesmücke, veröffentlicht. Allein an der Entzifferung des Anopheles-Genoms waren 300 Forscher aus 30 Labors beteiligt - ein Zeichen dafür, wie wichtig angesichts zunehmender Resistenzen Fortschritte auf dem Gebiet der Malariabekämpfung sind. Wie lange neue Medikamente auf sich warten lassen, und ob diese dann wirklich den armen Ländern zur Verfügung stehen werden, ist allerdings noch völlig offen.
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Auch die Entschlüsselung des Reisgenoms, das in Ansätzen bereits seit längerem bekannt ist, soll vor allem den Entwicklungsländern zugute kommen. Im April stellten Forscher die vorläufigen Genkarten je einer japanischen und chinesischen Reisart vor. Ursprünglich sollten die genauen Daten erst 2008 veröffentlicht werden, doch bereits jetzt sind zwei Chromosomen vollständig entschlüsselt, das gesamte Reisgenom soll 2005 vorliegen.
Auch das Wissen über die Baupläne von Mäusen und Ratten, zwei der wichtigsten Versuchstiere in den Labors, wurde 2002 entscheidend vorangetrieben. Und selbst der giftige Kugelfisch Fugu, bislang hauptsächlich aus Sushi-Restaurants bekannt, ist mit seinem kleinsten Genom aller Wirbeltiere für Genforscher kein Unbekannter mehr.
Auch das kommende Jahr wird wieder neue Gensequenzen bringen, schließlich ist die weltweite Entschlüsselungsmaschine der Genetiker gerade erst ins Laufen gekommen. An der Genomkarte der Schimpansen, des Maiskorns und der Pappeln wird bereits unter Hochdruck gearbeitet. Und auch erste Geninformationen von Honigbiene, Hund, Kuh oder Huhn sollten nicht mehr lange auf sich warten lassen.