Erhöhtes Risiko Totgeburt durch Hämoglobin?
Stockholm - Wie Epidemiologen des schwedischen Karolinska Institutet im Journal of the American Medical Association berichten, wurden in der Zeit von 1987 bis 1996 702 Totgeburten ab der 28. Schwangerschaftswoche untersucht und mit derselben Zahl von Lebendgeburten verglichen. Demnach erlitten Frauen mit Hämoglobinwerten von 146 Gramm pro Liter oder mehr fast doppelt so oft eine Totgeburt wie Schwangere mit niedrigeren Werten. Hämoglobin, der so genannte rote Blutfarbstoff, ist unter anderem für die Bindung und den Transport von Sauerstoff zuständig.
Der Zusammenhang zwischen erhöhten Hämoglobinwerten und Totgeburten verstärkte sich noch, nachdem Schwangerschaftserkrankungen wie Gestose oder Eklampsie sowie missgebildete Babys ausgeschlossen worden waren. Durch vorzeitige Wehen hervorgerufene Totgeburten sind bei Frauen mit erhöhten Hämoglobinwerten dreimal so wahrscheinlich wie in der Kontrollgruppe. Und bei sehr kleinen Totgeborenen erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit gar auf das Vierfache.
Gelang es dagegen, während der Schwangerschaft die Hämoglobinwerte deutlich zu senken, deutete sich eine, so die Forscher, "schützende Wirkung" an. Risikofaktoren wie Rauchen, Alter und sozioökonomischer Status, die ebenfalls das Risiko von Totgeburten erhöhen könnten, wurden nach Auskunft der Mediziner bei der Studie berücksichtigt.
Experten warnen jedoch davor, angesichts der neuen Erkenntnisse panisch zu reagieren. "Es gibt Hunderte von Faktoren, die mit Totgeburten in Zusammenhang gebracht werden, darunter so gefährliche wie das Rauchen", sagte Rupert Fawdry vom Milton Keynes General Hospital gegenüber BBC Online.
Auch wenn ein Zusammenhang zwischen Hämoglobin und Totgeburten plausibel erscheine, sei das tatsächliche Risiko doch sehr gering. Früher sei schwangeren Frauen sogar Eisentabletten verabreicht worden, weil die Ärzte davon ausgingen, dass ein hoher Hämoglobinwert gut sei.
Fawdry: "Sich über den Zusammenhang zwischen Hämoglobin und Totgeburten Gedanken zu machen ist so, als würde sich jemand über seine offenen Schnürsenkel sorgen, wenn er gerade eine Schnellstraße überquert - mit verbundenen Augen."