Eric Kandel Neurobiologe und Kunstsammler
Mit Hilfe des Nervensystems einer Meeresschnecke entdeckte Kandel im Experiment zentrale Grundlagen zum Lern- und Erinnerungsvermögen beim Menschen. "Wenn wir miteinander sprechen, kommuniziert mein Gehirn mit Ihrem, erzeugt dort anatomische Veränderung und umgekehrt", erklärt er. Seine Forschung ziele auf den Nachweis ab, dass Psychotherapie diese molekularen Vorgänge nachhaltig beeinflussen kann. Von der Ankündigung des Nobelpreises sei er überrascht worden. Er würde ihn demütig entgegennehmen.
Seit Jahren lehrt und forscht der österreichische Jude mit amerikanischer Staatsbürgerschaft in den USA. Nach dem Einmarsch nationalsozialistischer Truppen floh die Familie 1939 nach New York, wo Kandel unter ärmlichen Bedingungen aufwuchs. Bereits 1956 promovierte er an der New York University in Medizin, nachdem er in Harvard zunächst Geschichte und Literatur studiert hatte. Nach wissenschaftlichen Stationen in Boston und Paris kehrte Kandel 1965 wieder nach New York zurück. 1974 wurde er Direktor am Zentrum für Neurobiologie und Verhalten der renommierten New Yorker Columbia Universität. Seit 1984 forscht der Professor für Physiologie und Psychiatrie als leitender Wissenschaftler am Howard Hughes Medical Institute der Universität.
Unter Kollegen gilt Kandel als leidenschaftlicher Forscher. "Er zeichnet sich durch einen breiten methodischen Ansatz von der Verhaltensanalyse bis zu gentechnischen Verfahren aus", sagte Wolf Singer, Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt. Seine Forschung gilt insbesondere als bahnbrechendes Beispiel für eine Richtung, bei der komplizierte Verhaltensabläufe durch einfache Zellvorgänge erklärt werden. Dabei konzentriert sich Kandel auf die Funktion der Synapsen, der Endungen der Nervenzellen, die Kontakt zu anderen Nerven- und Drüsenzellen herstellen. Veränderungen der Synapsenfunktion haben demnach unter anderem zentrale Bedeutung für das Lernen und Erinnern.
Weggefährten erleben Kandel als geselligen Herrn mit Sinn für Humor. "Er ist ein Mensch, den man in der Menge dann sofort erkennt, wenn es etwas zu lachen gibt", sagte Singer. Privat sammelt er Bilder deutscher und österreichischer Expressionisten. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählen der "New Yorker Academy of Medicine"-Preis und der Lasker-Preis.