Ersatz-Organe: Klonen ohne Embryos - DER SPIEGEL
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Ersatz-Organe Klonen ohne Embryos

Britische Forscher planen, menschliches Ersatzgewebe zu klonen, ohne dass dafür ein Embryo geopfert werden muss. Macht das den Weg frei für das therapeutische Klonen ganz ohne ethische Bedenken?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Idee, Gewebe und Organe aus Körperzellen von Patienten zu züchten, die dann als Transplantat ohne Probleme vom Immunsystem des Patienten angenommen werden, klingt einfach zu verlockend - wenn nur die ethischen Bedenken nicht wären.

Jetzt arbeiten Forscher der Firma Geron BioMed, die von den Schöpfern des Klonschafs "Dolly" gegründet wurde, an einer neuen Methode des so genannten therapeutischen Klonens, die weniger umstritten sein könnte.

Zwar ist das Klonen aus Körperzellen seit Dolly nicht mehr neu, bislang wurde aber immer mit entkernten Eizellen gearbeitet: In die Eizelle pflanzten die Forscher zunächst die Körperzelle eines erwachsenen Tieres ein. Es entwickelte sich ein Embryo, der zur Herstellung des gewünschten Gewebes benötigt wurde. Einen Embryo quasi als menschliches Ersatzteillager zu verwenden, stößt allerdings auf große ethische Bedenken.

Die neue Methode geht dagegen einen anderen Weg: Statt einer entkernten Eizelle werden bereits entwickelte embryonale Stammzellen verwendet. Und die lassen sich - ethisch relativ unbedenklich - als Zellkulturen in großer Zahl im Labor züchten.

Soll Gewebe geklont werden, entnehmen Ärzte einem Patienten gesunde Zellen und verschmelzen sie mit den Stammzellen eines Embryos. Die ursprünglichen Chromosomen der Stammzellen werden zuvor entfernt. Die so manipulierten Stammzellen, die sich später in jeden menschlichen Gewebetyp entwickeln können, sind nun mit den Zellen des Patienten genetisch identisch.

Gelänge es Wissenschaftlern dann auch noch zu entschlüsseln, welche Prozesse dafür verantwortlich sind, dass sich aus den Stammzellen ganz bestimmte Zellarten entwickeln, könnten beispielsweise neue Gehirnzellen gezüchtet werden.

Wie das Wissenschaftsmagazin "New Scientist " berichtet, wird die Methode bereits an Mäuse- und Schafszellen getestet - mit, so Simon Best, "viel versprechenden Resultaten". Best, Direktor von Geron BioMed, hat daher auch schon neue Pläne: "Nachdem wir unsere Ideen an Schafen getestet haben, können wir sie in drei Jahren vielleicht auch an Menschen ausprobieren."

Experten sind skeptisch, ob sich die Dolly-Technik so einfach auf Stammzellen übertragen lässt. Denn zum Klonen werden die Zellen zwar entkernt, es befinden sich aber noch immer Botenstoffe und Wachstumsfaktoren in der Zelle. Und genau diese Substanzen sind es, die in einer Eizelle den eingepflanzten Zellkern so umprogrammieren, dass aus einer fertig entwickelten Hautzelle wieder eine nicht-spezialisierte Zelle am Anfang ihrer Entwicklung wird. Ob dieses Prinzip in einer Stammzelle auch funktioniert, bleibt offen.

Sollte das Experiment jedoch gelingen, ist Geron BioMed in der besten Position, mit dem therapeutischen Klonen groß Kasse zu machen. Ein Patent, das auch die neue Technik umfasst, ist bereits angemeldet.