Erste Menschen Den Neandertaler fest im Griff
Vor rund 100.000 Jahren lebten sie gemeinsam im Nahen Osten: die eher archaischen Neandertaler und die Vorfahren der heutigen Menschen. Doch durchgesetzt hat sich, da sind Anthropologen überzeugt, nur einer. Bis heute.
Warum die Vorgänger des modernen Menschen im evolutionären Kampf die Oberhand behielten, war bislang umstritten. Zwar setzten die Neandertaler mit ihren festeren Knochen und stärkeren Muskeln vermehrt auf brachiale Gewalt, doch die Werkzeuge, die beide Arten hinterlassen haben, zeigten keine großen Unterschiede.
Der Paläoanthropologe Wesley Niewoehner von der US-amerikanischen University of New Mexico in Albuquerque bietet nun eine neue Erklärungsmöglichkeit an. Niewoehner hat die Handknochen von Neandertalern, frühen Hominiden und weiter entwickelten Urmenschen verglichen. Anhand dreidimensionaler Computersimulationen entdeckte der Forscher, dass die Neandertaler offensichtlich Schwierigkeiten hatten, Werkzeuge mit einem Griff richtig festzuhalten.
Während die Vorgänger der heutigen Menschen Werkzeuge benutzen konnten, die auf Grund eines Griffes eine feinere Bewegung der Finger erforderten, waren ihre unterlegenen Zeitgenossen anscheinend nicht so fingerfertig: Die Neandertaler konnten gut mit Werkzeugen umgehen, die in ihrer Handfläche Platz fanden und lediglich mit dem Daumen festgehalten werden mussten.
Wie Niewoehner in der US-Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichtet, deuten die Forschungsergebnisse darauf hin, dass die Entwicklung des modernen Menschen eng mit Veränderungen im Verhalten und Werkzeuggebrauch verbunden war. Die Neandertaler mögen, so die Vermutungen, zwar stärker gewesen sein, mit den Werkzeugen der Zeit konnten sie aber schlechter umgehen.