Europa: Raucher auf dem Rückzug - DER SPIEGEL
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Europa Raucher auf dem Rückzug

Glimmstengel werden in Europa immer seltener. Der Anteil der Raucher an der Gesamtbevölkerung ist heute um 15 Prozent geringer als noch vor zehn Jahren, die Quote der Passivraucher ging gar um 40 Prozent zurück. Doch wie leicht das Aufhören fällt, hängt von Geschlecht und Umgebung ab.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Über zehn Jahre haben Wissenschaftler in 14 europäischen Ländern die Menschen befragt: Rauchen Sie? Die gute Nachricht lautet, dass immer mehr Befragte mit "Nein" antworteten. Wie sich Rauchen - und Passivrauchen - in der Bevölkerung verteilen, könnte darüber hinaus Aufschluss über die richtige Strategie für neue Aufklärungskampagnen liefern.

Zur Zeit der ersten Befragung hatte noch fast 34 Prozent der Teilnehmer geraucht, zehn Jahre später waren es nur noch knapp 29 Prozent. Das mag auf den ersten Blick wenig erscheinen, entspricht aber einem Rückgang von 15 Prozent innerhalb der Rauchergruppe.

Der Anteil der Befragten, die den Qualm anderer passiv rauchen mussten, ging sogar um 40 Prozent zurück. Anfangs waren davon fast 41 Prozent der 9000 Befragten betroffen, zehn Jahre später nur noch 24 Prozent.

Zu diesem Erfolg hätten unter anderem strengere Vorschriften zum Rauchen in der Öffentlichkeit beigetragen. In vielen Ländern ist das Rauchen etwa in Restaurants verboten. Außerdem hat sich nach Einschätzung der Forscher aber auch die Einstellung der Menschen verändert. Das Bewusstsein für die Gefahr durch das Passivrauchen sei größer geworden.

Aufhören nicht für alle Menschen gleich leicht

Die Studie erscheint in der Märzausgabe des Fachblatts "European Respiratory Journal". Zu den Autoren zählen auch Wissenschaftler des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit GSF in Neuherberg bei München. Die Forscher konnten anhand ihrer Erhebung zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Umgebung eines Menschen und der Wahrscheinlichkeit gibt, dass er mit dem Rauchen aufhört: Ohne rauchende Mitbewohner oder Kollegen falle der Verzicht deutlich leichter.

Zwei demographische Faktoren stachen hervor: Die Zahl der Raucher bei Männern ging stärker zurück als bei Frauen. Ein Grund dafür könnte nach Ansicht der Forscher sein, dass Frauen Angst vor einer Gewichtszunahme hätten, wenn sie mit dem Rauchen aufhörten. Diese Hypothese wird von der Erkenntnis gestützt, dass die Bereitschaft übergewichtiger Frauen deutlicher geringer sei, auf die Zigarette zu verzichten.

Auch die Bildung spiele eine statistisch nachweisbare Rolle. Die Autoren der Studie empfehlen daher: Aufklärungsarbeit über die Gefahren des Rauchens sollten sich daher vor allem an Menschen aus schwächeren sozialen Schichten und mit geringerer Bildung richten.

stx/dpa