Evolution: Ekel schützt vor Übel - DER SPIEGEL
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Evolution Ekel schützt vor Übel

Ob Maden, Schleim oder Fäkalien - Menschen aus verschiedensten Kulturkreisen empfinden derartiges übereinstimmend als widerlich. Wissenschaftler halten das weltumspannende Ekelgefühl für eine List der Evolution, die vor Infektionen warnt.
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In einer Internetstudie hatten Mediziner von der "London School of Hygiene & Tropical Medicine" 40.000 Freiwillige mit verschiedenen Fotos konfrontiert. Nahezu alle Probanden empfanden Ekel, wenn auf den Bildern Situationen gezeigt waren, die eine mögliche Gesundheitsgefahr zeigten, berichten Valerie Curtis und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society: Biology Letters".

Bei den gezeigten Fotos handelte es sich um Paare von Bildern, die zum einen relativ neutrale Situationen, Gegenstände oder Tiere darstellten, zum anderen aber vergleichbare Objekte mit einem möglichen Infektionsrisiko zeigten. Die Mediziner ließen die Probanden auf einer Skala beurteilen, wie abstoßend sie die Darstellungen empfanden.

98 Prozent der Befragten ekelten sich deutlich mehr vor den Bildern mit möglichen Gesundheitsrisiken: Grünlich-gelber Schleim beispielsweise wurde als ekliger empfunden als blaue, zähe Flüssigkeit, eine offene, eiternde Wunde mehr verabscheut als eine geschlossene, leicht rötlich verfärbte Verbrennung, Maden wurden eher gemieden als Raupen. Frauen ekelten sich stärker als Männer, wobei die Ekelgefühle bei beiden Geschlechtern mit dem Alter nachließen.

Curtis und ihre Kollegen konnten aus ihren Bebachtungen nur einen Schluss ziehen: Der Ekel hat sich im Lauf der Evolution entwickelt, damit Menschen potenzielle Krankheitsherde meiden. Das sei bei Frauen sehr viel wichtiger als bei Männern, da Frauen zusätzlich die Verantwortung für die Gesundheit des Nachwuchses tragen. Auch müssten ältere Menschen, die sich ja nicht mehr fortpflanzen könnten, nicht mehr so stark geschützt werden wie jüngere.

Ekelgefühle entstehen in der rechten Gehirnhälfte, die für Intuition und Emotionen zuständig ist. Das analytische, bewusste Denken ordnen Neurologen hingegen der linken Gehirnhälfte zu. Spontane Abscheu kann vom Menschen deshalb kaum gesteuert werden. Die intuitive, gefühlsbedingte Reaktion kann mitunter so stark sein, dass sie sich nicht mehr korrigieren lässt. Wenn - wie in der MTV-Sendung "Jackass" geschehen -, ein Mann Schokoladenpudding aus damit präparierten Babywindeln löffelt, dann wird er Passanten kaum zum Mitessen überreden können, selbst wenn er diese über den wahren Windelinhalt aufklärt.