Evolution Genverdopplung macht Menschen schlau
Das Gen mit der Bezeichnung GLUD2 enthält Informationen für das Enzym Glutamatdehydrogenase. Die ursprüngliche Version des Enzyms, das für das Recycling des Botenstoffs Glutamat zuständig ist, wird in vielen Geweben gebildet und übernimmt organisatorische Aufgaben. Die duplizierte Form der Glutamatdehydrogenase arbeitet jedoch nur im Gehirn, in der Netzhaut und im Hoden, wie Fabien Burki und Henrik Kaessmann von der Universität Lausanne in der Fachzeitschrift "Nature Genetics" (Online-Vorabveröffentlichung) schreiben.
Das Gen verdoppelte sich vor knapp 23 Millionen Jahren bei einem gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Affen, ergaben die Analysen der Wissenschaftler. Die Veränderung war demnach entscheidend für die Leistungsfähigkeit des Denkorgans, denn erst mit der Duplikation des Gens konnte das Enzym seine Aktivität im Gehirn voll entfalten. Ein weiteres Indiz für die wichtige Rolle der Genverdopplung ist die Tatsache, dass die Entwicklung der neuen Enzym-Variante mit einer evolutionären Phase zusammenfiel, in der die Gehirne der großen Affen zunehmend potenter wurden.