Evolution: Langer Schwanz, mehr Sex - DER SPIEGEL
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Evolution Langer Schwanz, mehr Sex

Bei Vögeln scheint es nun bewiesen: Wer gut aussieht, von stattlicher Statur ist und lange Federn hat, ist sexuell aktiver als die eher biederen Artgenossen.
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Mehr als 1000 Vogelarten hat Peter Dunn von der University of Wisconsin-Milwaukee verglichen - und mit seinen Ergebnissen Charles Darwin den Rücken gestärkt. Denn der berühmte Evolutionstheoretiker hatte bereits vor mehr als 100 Jahren die These aufgestellt, dass männliche Vögel deshalb so farbenprächtig daher kommen, weil sie auf diesem Weg ihre sexuellen Vorlieben besser ausleben können und gleichzeitig ihre Merkmale erfolgreicher vererben.

Zusammen mit seinem Team sammelte Dunn Daten über die Größe und das Federkleid der verschiedenen Vogelarten, entweder aus der wissenschaftlichen Literatur oder von Museen aus aller Welt. Wie das Wissenschaftsmagazin "Nature" in seiner Online-Ausgabe berichtet, kam der Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Unterschiede im Aussehen eng mit dem Sexualverhalten zusammenhängen: Vogelarten, die für häufigen Partnerwechsel bekannt sind, zeigen demnach deutlichere Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen als die eher treuen Arten.

Daneben spielt auch die Höhe des Nestes eine Rolle: Weibchen, die in Büschen brüten, unterscheiden sich stärker von ihren Männern als beispielsweise Baumvögel. Die Forscher vermuten, dass allzu farbenprächtige Weibchen am Boden leichter Opfer ihrer natürlichen Gegner werden und somit die grauen Mäuse unter den Vögel bessere Überlebenschancen haben.

Bereits 1871 hatte Darwin, so "Nature", die Vermutung aufgestellt, dass größere und auffälligere Männchen mehr weibliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sich öfter paaren und dabei ihren langen Schwanz und ihre prächtiges Federkleid besser vererben. Für die Weibchen sei es dagegen von Vorteil, dass sie eher unscheinbar blieben. Dies schütze sie vor ihren Feinden. Da Vögel, so die allgemeine Vermutung, größtenteils monogam leben, konnte diese These bislang schwer nachgewiesen werden.

Doch selbst wenn die meisten Vogelarten als treu gelten, es gibt immer auch schwarze Schafe. Mit Hilfe eines DNA-Vaterschaftstests haben die Forscher herausgefunden, dass rund 20 Prozent der Nachkommen nicht von dem Vogel stammen, der als ihr Vater gehandelt wird.

Dunn schließt daraus, dass sich auch Seitensprünge auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern auswirken können: Der Wissenschaftler untersuchte neben dem Federkleid auch die Größe der Hoden - ein bekannter Indikator für ehebrecherisches Verhalten. Dabei fand Dunn heraus, dass Vogelarten mit größeren Hoden auch deutlichere Unterschiede in der Größe der Schwänze und Flügel aufzuweisen hatten.