Experimental-Jet: Flug-Rochen absolviert ersten Testflug - DER SPIEGEL
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Experimental-Jet Flug-Rochen absolviert ersten Testflug

Wichtiger Schritt zum Verkehrsflugzeug der Zukunft: Das Experimentalflugzeug X-48B hat seinen ersten Testflug absolviert. Auch wenn es sich bei dem Nurflügler um ein Modell handelt, feiern die Entwickler den Test als Durchbruch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was die X-48B verspricht, liest sich wie eine Wunschliste von Fluggesellschaften und Passagieren: Die Maschine soll weniger Treibstoff verbrauchen als heutige Flugzeuge und mehr Menschen Platz bieten, in der Kabine und am Boden soll es leiser zugehen. Seit rund eineinhalb Jahrzehnten forscht Boeing nun schon an sogenannten Nurflüglern - Jets, die nur noch aus Flügel bestehen und nicht mehr aus einem zigarrenförmigen Rumpf mit angesetzten Flügeln und Heckleitwerk.

Jetzt meldet der Flugzeugbauer einen wichtigen Schritt nach vorn: Am Dryden Flight Research Center der US-Weltraumbehörde Nasa hat die X-48B zu ihrem ersten Testflug abgehoben. Bei der Maschine handelt es sich um ein ferngesteuertes Modell im Maßstab 1 zu 8,5 mit einer Flügelspannweite von 6,4 Metern und rund 225 Kilogramm Gewicht. Flüge solcher Modelle gelten als wichtiger Abschnitt in der Entwicklung eines Flugzeugs, da sie die prinzipielle Flugfähigkeit beweisen sollen. Beim aktuellen Testflug, der am Donnerstag stattfand und eine halbe Stunde dauerte, wurde vor allem die Flugstabilität bei Start und Landung erprobt.

Mehr Auftrieb, weniger Luftwiderstand

Boeing bezeichnet die X-48B nicht als Nurflügler ("flying wing"), sondern als eine Mischung aus Rumpf und Flügel ("Blended Wing Body"). Im Unterschied zu einem echten Nurflügler gehen bei der X-48B die relativ kurzen Flügel in einen breiten, flachen Rumpf ohne Heckleitwerk über.

Dieses Design soll mehr Auftrieb und weniger Luftwiderstand als traditionelle Flugzeuge besitzen und so wesentlich weniger Treibstoff verbrauchen. Da die Triebwerke der X-48B hoch am Heck sitzen, erwarten die Ingenieure auch einen geringeren Lärmpegel sowohl im Inneren der Maschine als auch am Boden. Auch gelten Nurflügler und verwandte Flugzeugkonzepte als sehr geräumig im Innern. Ihr Nachteil gegenüber traditionellen Flugzeugen ist eine geringere Flugstabilität: Mit Rumpf und Heckleitwerk fällt auch der lange Hebelarm zur Stabilisierung um die Querachse weg.

Der Nurflügler wurde erstmals in den 1930er Jahren in Deutschland von den Gebrüdern Horten ins Spiel gebracht. Schon damals stellte sich heraus, dass Nurflügler ein relativ schwaches Radarecho verursachen - was sie für das Militär interessant macht. In den USA entstanden in den vierziger Jahren die ersten Nurflügler-Militärflugzeuge - die unter anderem zum heute eingesetzten Tarnkappenbomber B-2 "Spirit" führten. Doch in der zivilen Fliegerei blieb der große Durchbruch bisher aus.

Das soll sich nun ändern: Neben Boeing basteln auch andere Flugzeughersteller und Forschungseinrichtungen an Nurflüglern und ähnlichen Maschinen. So geht das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt beim EU-Projekt "Vela"  davon aus, dass Nurflügler mit 30 Prozent weniger Treibstoff auskommen können als vergleichbar große herkömmliche Maschinen, die mit dem Riesen-Airbus A380 an ihre konzeptionellen Grenzen gestoßen seien. Die University of Cambridge und das Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben 2003 die "Silent Aircraft Initiative"  (SAI) gestartet.

mbe/AP