Falscher Knochen-Pfeil: Legende um Captain Cook entzaubert - DER SPIEGEL
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Falscher Knochen-Pfeil Legende um Captain Cook entzaubert

Ein DNS-Test brachte die Gewissheit, dass ein bislang immer als Knochen von James Cook ausgegebenes Museumsstück gar nicht vom großen Entdecker stammt. Der kleine Pfeil wurde wahrscheinlich aus Elfenbein oder einem Geweih gefertigt.
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"Es gibt keinen Cook im Australischen Museum", sagte der Ausstellungsleiter Jude Philp am Donnerstag bei der Bekanntgabe der Testergebnisse. Es stehe fest, dass der im Museum gezeigte kleine Pfeil nicht aus menschlichem Knochen gefertigt worden sei. Das Museum will das legendäre Stück jedoch weiterhin ausstellen.

Angesichts der enttäuschenden Analyse sah sich die britische Captain Cook Society zu einer ausführlichen Stellungnahme genötigt. Auf zwei Seiten schildert ihr Präsident die Geschichte des angeblich zu einem Pfeil verarbeiteten Knochens sowie die durchaus schwerwiegenden Folgen für die traditionsbewusste Fangemeinde des großen Entdeckers.

James Cook wurde im Jahr 1779 bei einem Handgemenge mit Eingeborenen auf Hawaii erschlagen. Einige Tage später brachte man die sterblichen Überreste zurück auf sein Schiff, die "Resolution". Wenige Tage nach seinem Tod wurde der Entdecker in einer Bucht vor Hawaii im Meer bestattet. Es gibt jedoch Hinweise, dass dabei einige Leichenteile fehlten.

1824 gelangte ein kleiner Pfeil nach England, von dem behauptet wurde, er sei aus einem Knochen von James Cook gefertigt. 1880 vermachte ein entfernter Verwandter des Kapitäns das Stück dem Museum in Sydney.

Immer wieder wurde über die genaue Herkunft des Pfeils spekuliert. Das Museum beschloss daraufhin, die Sache ein für alle Mal zu klären. Doch die Untersuchung mit Röntgenstrahlung und Ultraschall brachte keine Gewissheit, ob das Material überhaupt aus menschlichem Knochen besteht. Daraufhin bohrten Forscher den Pfeil an und schickten zwei kleine Proben an Labors in Australien und Neuseeland. Das übereinstimmende Ergebnis: Es handelt sich nicht um Menschenknochen, sondern um Elfenbein oder ein Geweihstück.

"Ich sehe den DNS-Test mit gemischten Gefühlen", sagte Cliff Thornton, Präsident der Captain Cook Society. "Es wäre schön gewesen, wenn man sterbliche Überreste von Cook gefunden hätte." Man hätte sie dann angemessen beerdigen können, so Thornton, statt sie in einem Museum zu zeigen.

Doch er gibt die Hoffnung nicht auf, doch noch ein Überbleibsel des Entdeckers zu finden. Es gebe viele Stücke in Museen weltweit, die noch genauer untersucht werden müssten. "Ich bin sicher, dass wir eines Tages eine große Überraschung erleben werden, wenn mit dieser Technik bewiesen wird, dass eine der Cook-Legenden wahr ist."