Forschung Fußbälle aus dem All
Washington D.C. - "Die Buckyballs umschließen Gase, die vor über 65 Millionen Jahren auf einem Asteroiden zur Erde gelangten, dessen Trümmer die von uns untersuchte Tonschicht bildeten", erklärte Ted Bunch, ein beteiligter Wissenschaftler vom Ames Research Center der Nasa im kalifornischen Sillicon Valley.
Die von Ted Bunch so familiär Buckyballs genannten Verbindungen heißen mit vollem Namen Buckminster-Fullerene und sind fußballförmige, aus 60 Kohlenstoffatomen bestehende Riesenmoleküle. Man darf sich das nunmehr entdeckte Phänomen also als eine Art Fußball (das irdische Fulleren) vorstellen, in dem sich ein Tischtennisball (das außerirdische Gasmolekül) versteckt.
Den "außerirdischen" Ursprung der in den Buckyballs eingeschlossenen Gasmoleküle begründen die Forscher mit einem ungewöhnlichen Isotopenvorkommen. Isotope sind Atomvarianten, die sich nur in der Anzahl ihrer Neutronen im Atomkern voneinander unterscheiden.
Unter den eingeschlossenen Gasen befand sich nach Angaben der Forscher unter anderem eine hohe Anzahl eines Helium-Isotops, das vor allem im All zu finden ist, was die These zu erhärten scheint, dass Buckyballs nicht nur die Quelle des Lebenselements Kohlenstoff gewesen sind, sondern auch Transporter anderer Elemente, die zum Aufbau der Erdatmosphäre beigetragen und damit die Voraussetzung für die Entstehung von Leben geschaffen haben. Die Wissenschaftler untersuchten Tonablagerungen in Neuseeland, Nordamerika und Dänemark, die eine Phase des abrupten Wechsels in der Evolution dokumentieren, zu der auch das Verschwinden der Dinosaurier zählt. Dieser Umbruch wird heute allgemein auf einen Meteoriteneinschlag zurückgeführt.
Luann Becker von der University of Hawaii hofft, auf diese Weise andere Ablagerungen, die wahrscheinlich ebenfalls durch Meteoriteneinschläge entstanden sind, einer detaillierten Analyse unterziehen zu können. "Wir haben einen effizienten Weg entdeckt, solche Sedimentschichten genauer zu untersuchen. Es eröffnet neue Möglichkeiten in Hinblick auf die Frage, wie die Planetenatmosphären, das Leben auf der Erde oder sogar anderen Monden und Planeten entstand", bewertete die an der Entdeckung der Gasmoleküle beteiligte Becker ihren in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Science" veröffentlichten Fund.
Die Entdeckung von Buckyballs, der einfachsten Fulleren-Verbindung, brachte dem Briten Harald Kroto und seinen amerikanischen Kollegen Robert Curl und Richard Smalley im Jahre 1996 den Chemie-Nobelpreis ein. Die Forscher stellten die Fulleren-Moleküle zufällig her, als sie Bedingungen der Sternenentstehung im Labor simulierten. 1999 konnten die jetzt an der Entdeckung der Gase beteiligten Forscher Bunch und Becker sowie andere Forscher im Allende-Meteoriten von Mexiko erstmals Buckyballs nachweisen, die nicht künstlich produziert worden waren.