Frühe Nomaden Nicht ohne meine Ziege
Als vor Tausenden Jahren Menschen aufbrachen, um nach und nach die letzten Winkel der Alten Welt zu besiedeln, war vermutlich die Ziege ihr wichtigster Begleiter. Zu diesem Ergebnis kommen französische und Schweizer Wissenschaftler, die Blut- und Hautproben von 406 Hausziegen aus 44 Ländern Europas, Afrikas und Asiens untersucht haben.
Durch einen Vergleich der so genannten mitochondrialen DNS konnte das Team um Gordon Luikart von der Université Joseph Fourier in Grenoble die genetische Geschichte der Hausziege rekonstruieren. Demnach stammen die heutigen Vertreter dieser Art vermutlich von drei Urmüttern ab, die zu verschiedener Zeit und an unterschiedlichen Orten vom Menschen gezähmt wurden. Die früheste Domestizierung fand vor rund 10.000 Jahren statt, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Diese älteste der drei Entwicklungslinien verbreitete sich offenbar schon früh und äußerst erfolgreich: Das zugehörige genetische Profil fand sich in über 90 Prozent der Proben. Überraschend war dabei, dass das Erbgut der Ziegen von verschiedenen Kontinenten kaum variierte. Während zum Beispiel bei Rindern mehr als 50 Prozent der Variationen in der mitochondrialen DNS auf lokale Gegebenheiten zurückgehen, sind es bei der Hausziege nur etwa zehn Prozent.
Luikart und seine Kollegen folgern daraus, dass die Hausziege zu Beginn der Jungsteinzeit wahrscheinlich als bevorzugter Reiseproviant und "kleine Währungseinheit" diente. Das Huftier lieferte frühen Entdeckern und Eroberern Milch, Fleisch und Häute, ließ sich leichter transportieren als ein Rind und gab sich auch mit kargen Weidegründen zufrieden. Die DNS-Analysen legen nahe, dass Hausziegen "in der Geschichte der menschlichen Kolonisationen, der Siedlungszüge und des Handels eine wichtige Rolle gespielt haben", schließen die Wissenschaftler.