Gen-Ethik Online-Diskussion mit Gen-Experten
Wem nutzen und wem schaden Gentests? Wer soll Informationen über genetisch bedingte Anfälligkeiten gegen bestimmte Krankheiten bekommen? Und sollen diese überhaupt ermittelt werden? Die Bundestags-Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" will möglichst viele Bürger an der Debatte über solche Fragen beteiligen und veranstaltet darum heute Abend eine Online-Konferenz zum Thema Gen-Diagnostik.
Der Umgang mit den Ergebnissen von Gentests zählt zu den schwierigsten politischen Problemen beim Umgang mit den neuen Methoden der medizinischen Forschung. Zahlreiche Krankheiten vom Darmkrebs bis zum Herzinfarkt werden auch durch die genetische Ausstattung mitverursacht.
Hunderte von Forscherteams in aller Welt arbeiten daher an der Ermittlung solcher Gen-Faktoren und der Entwicklung entsprechender Testverfahren, um diese im Körper von Patienten aufzuspüren. Etliche Tests werden bereits heute auf dem Medizin-Markt angeboten. Doch ob dieser Fortschritt dazu beiträgt, das Wohlbefinden und die Gesundheit der getesteten Patienten zu fördern, ist höchst umstritten.
"Die Janusköpfigkeit" der modernen Genmedizin, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete und Enquete-Mitglied Wolfgang Wodarg, offenbare sich vor allem beim Umgang mit Gen-Diagnosen für Krankheiten, für die es bislang keine Heilmethoden gebe. Warum etwa, so Wodarg, solle der Arzt einem jungen Menschen mitteilen, dass er wahrscheinlich irgendwann im Alter zwischen 30 und 50 an dem tödlichen Nervenleiden Chorea Huntington erkranken werde, wenn bislang keinerlei Therapie oder Vorsorgemethode zur Verfügung stehe?
Nicht minder umstritten ist der Umgang mit den aus den Testverfahren gewonnenen Daten. So könnte zwar die rechtzeitige Erkennung einer Anfälligkeit für Darmkrebs dem Betroffenen helfen, sich durch die richtige Lebensweise und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen dagegen zu schützen. Doch Versicherungsmathematiker deuten die gleiche Information kurzerhand als erhöhtes Krankheitsrisiko und fordern entsprechend höhere Prämien.
Auf Forderung der Versicherungswirtschaft hat die britische Regierung diesen Umgang mit den Gen-Daten bei Chorea Huntington erst jüngst legalisiert. "Das Recht auf Einsicht in die Ergebnisse von Gentests darf nicht eingeschränkt werden", verlangt auch der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Bernd Michaels. Für Versicherungen sei es "essenziell", vor Abschluss einer Lebens- oder Krankenversicherung im Rahmen der Risikoprüfung auch Gentests zu berücksichtigen.
Um die Auseinandersetzung über diese Fragen möglichst breit zu führen, lädt die Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" heute Abend zwischen 18.30 und 20.00 Uhr zur Teilnahme an einer Online-Konferenz über Gen-Diagnostik ein. Dort werden sich die Fachleute aller fünf im Bundestag vertretenen Fraktionen der Diskussion stellen. Die Teilnehmer können sich bereits eine Stunde vor Beginn eintragen und ihre Fragen stellen.