Genmanipuliert: Magere Mäuse leben länger - DER SPIEGEL
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Genmanipuliert Magere Mäuse leben länger

Keine Diät halten, trotzdem schlank bleiben und auch noch länger leben: Bei Mäusen haben Forscher scheinbar Unmögliches geschafft. Genetische Tricks könnten künftig auch Menschen zu höherem Alter verhelfen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kalorienarme Ernährung kann die Lebenserwartung erhöhen, wie Versuche an unterschiedlichen Organismen von der einfachen Hefe bis hin zu Säugetieren gezeigt haben. Doch einer neuen Studie zufolge sind strenge Diäten keine Grundvoraussetzung für ein stolzes Alter - es reicht aus, wenn der Körper schlank bleibt.

Der deutsche Forscher Matthias Blüher von der Harvard University in Boston ist gemeinsam mit seinen Kollegen Ronald und Barbara Kahn der Frage nachgegangen, ob die Lebensverlängerung auch bei normaler Kost möglich ist. Dafür züchteten die Wissenschaftler genmanipulierte Mäuse, denen ein bestimmter Insulin-Rezeptor im Fettgewebe fehlte.

Die so genannten Firko-Mäuse ("fat-specific insulin receptor knockout") besaßen 50 bis 70 Prozent weniger weißes Fettgewebe und wogen damit 15 bis 20 Prozent weniger als Tiere mit dem Insulin-Rezeptor. Die manipulierten Mäuse fraßen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht sogar mehr als normale Nager, lebten aber im Schnitt 18 Prozent länger, wie die Forscher im Fachmagazin "Science" berichten.

Blüher und Kollegen schließen aus dem Experiment, dass nicht die Kalorienzufuhr maßgeblich auf die Lebensspanne einwirkt, sondern vielmehr die Menge des Fettgewebes. Ob sich dieses Ergebnis auf Menschen übertragen lässt, ist den Forschern zufolge noch unklar. Dennoch hoffen sie, dass sich vielleicht in einem Jahrzehnt ein ähnlicher Effekt mit Medikamenten erzielen lässt.

Allerdings müsste es den Wissenschaftlern dazu gelingen, wie bei den Firko-Mäusen ganz gezielt nur die im Fettgewebe liegenden Insulin-Rezeptoren auszuschalten. Eine generelle Beeinträchtigung des Insulin-Haushalts im Körper - so wie sie die Mutation der drei bisher bekannten maßgeblichen Gene mit sich bringt - führt unweigerlich zum Zwergenwuchs, warnen Blüher und Kollegen.