Gewichtsreduktion C75 - Appetitkiller der Zukunft?
Washington - "Wir sagen nicht, dass wir die legendäre Gewichtsreduzierungs-Medizin gefunden haben", sagt Frank Kuhajda , Sprecher des Forscherteams an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Doch die im Magazin "Science" veröffentlichten Ergebnisse lassen aufhorchen. Die Wissenschaftler hatten Labormäusen die synthetische Chemikalie C75 verabreicht und bereits nach 20 Minuten beobachtet , dass der Appetit der Versuchstiere verschwunden war.
In der Folgezeit nahmen diese im Vergleich zu unbehandelten Mäusen nur noch ein Zehntel der Kalorien zu sich. Dabei drosselte der Stoffwechsel nicht, wie bei manchen Hungerkuren, den Energieverbrauch des Körpers. Dadurch verloren die Mäuse fast ein Drittel ihres Körpergewichts. Sie bauten 45 Prozent mehr Fett ab als Tiere in einer Kontrollgruppe, die zum Vergleich mit denselben Futtermengen versorgt, jedoch nicht mit C75 behandelt wurden. Wurde die Behandlung mit der Chemikalie beendet, aßen alle Mäuse wieder so viel wie zuvor.
Forscher wissen seit längerem, dass das Hormon Neuropeptid Y (NPY) in der Hirnanhangdrüse eine wichtige Rolle als Appetitzügler hat. Wenn ein Tier Hunger leidet, steigen die NPY-Werte, dagegen sinkt bei Mäusen, denen C75 gespritzt wurde, der NPY-Spiegel ganz deutlich. "Daraus entnehmen wir, dass C75 die Nahrungsaufnahme über die NPY-Produktion im Hirn drosselt", sagt Kuhajda.
Das organische Molekül C75 wurde von Hopkins-Forschern ursprünglich für die Krebsforschung hergestellt. Die Wissenschaftler wollten damit die Fettproduktion von Krebszellen unterbinden, indem sie ein bestimmtes Enzym zur Herstellung von Fettsäuren hemmen. Bei den Experimenten war dann aufgefallen, dass die Labortiere immer stark an Gewicht verloren hatten.
Ob die Beeinflussung des Essverhaltens durch C75 auch beim Menschen möglich ist, wollen die US-Wissenschaftler in weiteren Forschungen herausfinden. Ein ähnlicher Mechanismus sei allerdings wahrscheinlich, so die Forschergruppe.