Haltungsfehler Gesundes "Zappelphilipp-Prinzip"
Minden/Heidelberg - "Es gibt keine vorbildliche Haltung. Wir neigen eher zu einem Zappelphilipp- Prinzip", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Heidelberger Initiative für gesunde Arbeit (HIHW) der dpa.
Eltern sollten Kindern viel eher Bewegungsreize vermitteln und sie zu Spielen animieren. Schon 90 Prozent aller Schulanfänger hätten Haltungsschwächen, weil sie zu früh mit dem "Sitz-Marathon" beginnen, sagte Selling. Außerdem seien 65 Prozent aller Schulstühle unangemessen: "Meist stimmen die Proportionen nicht. Schlimmer als ein zu kleiner ist ein zu großer Stuhl."
Bei knapp 30 Prozent der Sieben- bis 17-Jährigen entwickelten sich die Haltungsschwächen zu Haltungsfehlern. Ein Fünftel aller 45- bis 55-Jährigen weise irreparable Haltungsschäden auf, die zu lebenslangen Schmerzen führen.
"Der homo sedens, der sitzende Mensch, betrachtet sein Auto als verlängerten Sitz zwischen Stuhl A und Sessel B", meint Selling. Für Schüler wie für Erwachsene komme es darauf an, den Arbeitsplatz zu dynamisieren. Alle 60 Minuten solle die Tätigkeit am Bildschirm für Lockerungs- und Dehnungsübungen fünf Minuten unterbrochen werden. Ein Ausgleichssport nach stundenlangem Hocken vor dem Bildschirm nütze dagegen gar nichts.
Die Heidelberger Initiative kämpft dafür, die Bildschirmarbeitsverordnung der Bundesregierung auch auf den "Arbeitsplatz" Schule zu übertragen. Mit einer neu entwickelten "Rücken-Maus" wollen die Sitzforscher den Haltungsfehlern in Schulen zu Leibe rücken. Das Gerät in Form einer Computer-Maus sei von zwei Schweizer Medizinern entwickelt worden und mache die Wirbelsäulenkrümmung der Testperson auf einem Bildschirm sichtbar.
In Kürze wollen die Sitzforscher die Kultusminister der Länder anschreiben, um in einem Pilotprojekt Bewegungsberater mit der "Rücken-Maus" an Grundschulen zu schicken.