Hawkings Pläne: Die Geschichte der Zeit wird kürzer - DER SPIEGEL
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Hawkings Pläne Die Geschichte der Zeit wird kürzer

Der an den Rollstuhl gefesselte Physiker Stephen Hawking hat offensichtlich Erbarmen mit seinen frustrierten Lesern. "Eine kurze Geschichte der Zeit" soll demnächst in einer leichter verständlichen Fassung auf den Markt kommen - konzipiert für Zwölfjährige.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für viele ist er eine Art Gott der Astrophysik. Stephen Hawking, Kosmologe und Buchautor, wird nicht nur in Forscherkreisen gerne als letzte Instanz der Naturwissenschaft angesehen. Zumindest in einem Punkt könnte der Vergleich zutreffen: Ähnlich wie der Bibel, die fast in jedem Haushalt anzutreffen ist, aber kaum gelesen wird, ergeht es auch Hawkings Bestsellern.

Sein 1988 veröffentlichtes Werk "Eine kurze Geschichte der Zeit", das weltweit über zehn Millionen Mal verkauft und in rund 30 Sprachen übersetzt wurde, ziert viele bildungsbürgerliche Bücherregale. Doch bis zum letzten Kapitel haben es vermutlich die wenigstens geschafft - zu kompliziert sind Hawkings Gedankengänge, zu sehr gleicht das Buch einer Textwüste.

Das lässt Hawking, dessen neuer Wälzer "Das Universum in der Nußschale" innerhalb weniger Wochen auf Platz eins der Bestsellerlisten schoss, offensichtlich keine Ruhe. Wie die britische Tageszeitung "Guardian" berichtet, arbeitet der Astrophysiker an einer Neuauflage seines Werkes, die deutlich leichter zu lesen sein soll. Das Buch, das im Herbst kommenden Jahres erscheinen könnte, soll sich vor allem an Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren richten.

Doch die Käufer- und vor allem Leserschicht dürfte um einiges breiter sein: "Ich glaube, eine Menge Erwachsener - mich selbst eingeschlossen - werden es kaufen, um das Original besser zu verstehen", so Patrick Janson-Smith von Hawkings Verleger Transworld gegenüber dem "Guardian".

Genauso wie das inhaltliche Ziel - die fortwährende Suche nach der mysteriösen "Weltformel" - stehen auch die Rahmenbedingungen des neuen Buches bereits fest. Zusammen mit dem US-Wissenschaftler und Star-Trek-Autor Leonard Mlodinow will sich Hawking deutlich kürzer fassen, gleichzeitig aber mehr Bilder und Diagramme in seinem Buch unterbringen.

Ob auch die Zahl der Gleichungen reduziert wird, steht noch nicht fest, erscheint aber kaum möglich: "Man hat mir gesagt, dass jede Gleichung in dem Buch die Verkaufszahlen halbiert", schreibt der Ausnahmephysiker in seiner Zeit-Geschichte. "Ich beschloss also, auf mathematische Formeln ganz zu verzichten." Eine Ausnahme musste allerdings sein: Um Einsteins E=mc2 kam auch Hawking nicht herum. Zumindest bislang.