Herzprobleme: Ist Viagra doch nicht tödlich? - DER SPIEGEL
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Herzprobleme Ist Viagra doch nicht tödlich?

Männer mit Erektionsproblemen können aufatmen: Die Potenzpille Viagra, schon früh in den Verdacht gefährlicher Nebenwirkungen gekommen, stellt zumindest statistisch keine Gefahr für das Herz dar.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Dies berichten Wissenschaftler in der neuesten Ausgabe des "British Medical Journal". Mit ihrer Studie wollten die Forscher mögliche Nebenwirkungen untersuchen. Dazu befragten sie Ärzte, die das Medikament verordnet hatten, zu Gesundheitsproblemen ihrer Patienten nach der Einnahme.

In den 5600 ausgewerteten Fragebögen wurde von zehn tödlich verlaufenen Herzerkrankungen berichtet. Die Forscher verglichen diese Zahl mit der Todesrate in der Gesamtbevölkerung im Jahr 1998 - und mussten feststellen, dass die Viagra-Todesrate sogar unter dem britischen Durchschnitt lag.

"Bezogen auf Herzerkrankungen konnten wir keinen Hinweis darauf finden, dass Viagra nicht sicher ist", sagt Saad Shakir von der University Southampton. Im Gegenteil: "Die Pille ist sicher." Trotzdem seien, so der Wissenschaftler, weitere Untersuchungen nötig.

Seit die Potenzpille, von vielen enthusiastisch als "blaues Wunder" gefeiert, 1998 auf den Markt kam, wurden immer wieder Berichte über Todesfälle laut. Allein die US-Aufsichtsbehörde für Medikamente zählte mehr als 1500 Zwischenfälle, von denen mehrere hundert einen tödlichen Ausgang nahmen. In Deutschland wurden bislang rund 20 Todesfälle registriert, die in Zusammenhang mit Viagra stehen sollen.

Vielfach wurde in der Vergangenheit den Patienten die Schuld gegeben, die die Pille - in der Hoffnung auf einer besonders starke Wirkung - in zu hohen Dosen geschluckt haben sollen. Kritiker der Potenzpille führen dagegen an, dass die Dunkelziffer hoch ist, viele Nebenwirkungen und Todesfälle gar nicht bekannt oder zumindest nicht in Zusammenhang mit Viagra gebracht werden.

Sollte dies zutreffen, haben die Forscher der University Southampton ein Problem: Da die Briten in ihrer aktuellen Studie lediglich Ärzte nach den Erfahrungen ihrer Patienten gefragt haben, könnten viele Fälle von Nebenwirkungen unter den Tisch gefallen sein.