Hintergrund Lebenswichtiger Zelltod
Die Selbstvernichtung von Zellen, auch Apoptose genannt, ist ein natürlicher Mechanismus, der bei Menschen, Tieren und Pflanzen gleichermaßen funktioniert. Das genetisch angelegte Tötungsprogramm ist lebensnotwendig: Nur wenn alte, kranke oder nicht mehr benötigte Zellen absterben, kann neues Leben entstehen.
Die Apoptose beginnt schon im Mutterleib: Embryonen haben zunächst statt Hände eine Art Paddel. Damit sich die Finger ausbilden können, sterben die Zellen dazwischen ab. Bei Müttern regelt der programmierte Zelltod zum Beispiel die Rückbildung der Brust nach dem Abstillen. Auf ähnliche Weise verschwindet der Schwanz einer Kaulquappe, nachdem sie sich in einen Frosch verwandelt hat.
Auch für die körpereigene Abwehr ist die Apoptose wichtig. Sie bewirkt, dass infizierte oder beschädigte Zellen Selbstmord begehen. Zellen können dabei selbst erkennen, wenn sie nicht mehr richtig funktionieren. Eine Zelle, die abstirbt, entwickelt Wölbungen auf ihrer Oberfläche, die sich ablösen und in einen Haufen kleiner Gebilde verwandeln. Diese Partikel werden von den umliegenden Zellen aufgenommen und gleichsam verdaut.
Sterben zu viele oder zu wenige Zellen ab, können Krankheiten entstehen. Bei Krebs zum Beispiel werden schadhafte Zellen nicht schnell genug vernichtet, bei Erblindung hingegen zu schnell. Das Wissen über die genauen Abläufe der Apoptose ist daher wichtig für die Entwicklung von Arzneimitteln, die den Zelltod je nach Bedarf verhindern oder hervorrufen können.