Immunsystem Neustart hilft gegen Krebs
Eine alternative Behandlungsform, bei der fast die gesamten Zellen des menschlichen Immunsystems durch Krebs bekämpfende Zellen ausgetauscht werden, könnte neue Hoffnung im Kampf gegen Krebs versprechen. Anders als bei vielen anderen Studien, die meist auf Tierversuchen beruhen, wurden jetzt an Hautkrebs erkrankte Patienten behandelt offensichtlich mit Erfolg. Das berichtet ein Forscherteam rund um Steven Rosenberg vom amerikanischen National Cancer Institute in Maryland im US-Wissenschaftsmagazin "Science.
Die Therapie macht es sich zunutze, dass das menschliche Immunsystem in der Lage ist, einen gezielten Angriff auf ungewollte Eindringlinge zu starten. Zumindest im Prinzip. Je länger die Abwehrschlacht dauert, desto mehr Immunzellen werden dabei im Körper des Patienten aktiviert.
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Seit langem experimentieren Mediziner damit, die menschliche Immunabwehr gegen Krebs einzusetzen. Zwar produziert der Körper selbst so genannte T-Zellen, die entsprechend spezialisiert sind und Tumore angreifen können. Doch die sind gegenüber den aggressiven Krebszellen meist chancenlos.
Forscher haben daher in der Vergangenheit versucht, den Patienten überforderte T-Zellen zu entnehmen, diese im Labor in großen Mengen zu vermehren und anschließend den Krebskranken wieder zu injizieren. Doch auch die importierten Immunzellen bissen sich nicht an den Tumoren fest und verschwanden nach einer gewissen Zeit von selbst wieder.
Rosenberg und Kollegen haben deshalb einen anderen Weg eingeschlagen und zunächst das Immunsystem ihrer Patienten weitgehend außer Kraft gesetzt. Anschließend wurden den Erkrankten - wie in den Versuchen zuvor - auf Krebs spezialisierte T-Zellen gespritzt.
Da jetzt allerdings Platz im Immunsystem war, entwickelten sich die Krebsbekämpfer prächtig. Während beispielsweise bei Grippeerkrankungen gerade einmal drei Prozent der T-Zellen aktiv sind, griffen bei einem vom Rosenbergs Patienten 90 Prozent der Abwehrzellen die Tumore an. "Das ist eine eindrucksvolle Zahl, sagt der Mediziner. Der neue Therapieansatz könnte eines Tages, so die Hoffnung der Forscher, auch im Kampf gegen andere Krebsarten, gegen Infektionskrankheiten und sogar gegen Aids helfen.
13 Patienten wurden im Rahmen der Studie behandelt. Sechs von ihnen zeigten den Wissenschaftlern zufolge einen deutlichen Rückgang der Zahl der Tumore an verschiedenen Stellen des Körpers. Bei zwei Erkrankten verschwanden fast alle Melanome. Die Mediziner wollen jetzt ergründen, warum gerade diese beiden Patienten derart positiv reagiert haben und den Therapieansatz entsprechend anpassen.