Impfmüdigkeit "Versäumnis der Ärzte"
München - Nach Auffassung von Impfexperten sind die deutschen Ärzte an der allgemeinen Impfmüdigkeit mitschuldig. Die niedergelassenen Ärzte und Krankenhausmediziner für Impfungen auch bei sich selbst zu motivieren "ist ein Kampf ohne Ende", sagte der Präsident der Bayerischen Gesellschaft für Tropenmedizin und Impfwesen, Nikolaus Frühwein.
Nur sieben Prozent des medizinischen Personals in den deutschen Krankenhäusern hätten eine Schutzimpfung gegen die Virusgrippe (Influenza). Die allgemeine Impfmüdigkeit in Deutschland sei auch ein "Versäumnis der Ärzte", so Albert Liebl, Präventionsbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns.
Impfexperten raten jetzt zu einer Grippeschutzimpfung
Grundsätzlich sollte sich jeder Bürger gegen Influenza impfen lassen. Die Grippeimpfung sei gut verträglich und wird von den Kassen bezahlt. Unverzichtbar sei sie für Personen im Alter von 50 Jahren an, Menschen mit Vorerkrankungen im Herz-Lungenbereich und für chronisch kranke Patienten mit geschwächtem Abwehrsystem.
Allein 3,5 Millionen Krankschreibungen wurden im vergangenen Jahr wegen Grippe ausgestellt. Die direkten ärztlichen Kosten bezifferte Eberhard Plassmann, Vorstand in der bayerischen Gesellschaft für Impfwesen, auf 900 Millionen Mark. Die Folgekosten durch Arbeitsunfähigkeit hätten weitere vier Milliarden Mark betragen.
Die Virusgrippe ist eine "schwere Erkrankung", die durch Tröpfchen übertragen wird, sagte Gert Frösner vom Münchner Max-von-Pettenkofer-Institut. Jährlich würden in Deutschland rund 20.000 Menschen an den Folgen einer Grippe sterben. Bei rechtzeitiger Schutzimpfung könnte diese Zahl wesentlich reduziert werden.