Ingenieurpläne: Wasser soll Venedig retten - DER SPIEGEL
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Ingenieurpläne Wasser soll Venedig retten

Venedig sinkt und sinkt; eine endgültige Lösung für das Problem der Stadt auf Stelzen ist bislang nicht gefunden worden. Jetzt wollen Experten ein Projekt starten, bei dem das Meer mit seinen eigenen Waffen geschlagen würde: Sie wollen Venedig mit Wasser heben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Der Hauptvorteil dieses Projektes wäre, dass es Venedig fast die Zentimeterzahl zurückgeben würde, um die es in den vergangenen 300 Jahren gesunken ist", sagte Giuseppe Gambolati, der Projektleiter. Das Projekt war schon im vergangenen Jahr erstmals theoretisch präsentiert worden, jetzt soll es tatsächlich in die Testphase gehen.

Über 100 Millionen Euro würde es kosten, zwölf Löcher mit einem Durchmesser von je 30 Zentimetern in einem Bereich etwa 10 Kilometer um die Stelzenstadt herum zu bohren - und anschließend Meerwasser etwa 750 Meter tief in den Meeresboden zu pumpen.

Das Wasser soll dann den Sand in der Tiefe dazu bringen, sich auszudehnen. Weil darüber eine wasserdichte Lehmschicht liegt, soll dies nach den Plänen der Ingenieure schließlich dazu führen, dass sich der Boden unter der Stadt hebt. Etwa 30 Zentimeter hoffen sie, dem Mittelmeer auf diese Weise abzuringen.

Zunächst soll das Verfahren aber auf kleiner Fläche getestet werden. "Wenn das Pilotprojekt erfolgreich ist, werden wir unmittelbare, wenn auch graduelle Ergebnisse sehen", so Gambolati, der an der Universität Padua arbeitet. "Die vollständige Anhebung wird dann in etwa 10 Jahren erreicht sein." Zunächst müssen aber Kommissionen auf städtischer, regionaler und nationaler Ebene das Projekt für gut befinden.

Venedig wird nicht nur vom Einsinken in den Meeresgrund bedroht, sondern auch von zunehmend häufigeren Fluten, die beispielsweise den Markusplatz regelmäßig unter Wasser setzen. Schon 2003 wurde deshalb ein gigantisches Projekt beschlossen: Durch gewaltige Flutwälle, die auf Scharnieren vor Venedig am Meeresgrund befestigt werden, sollen die Fluten im Ernstfall aufgehalten werden. Das 5-Milliarden-Projekt mit dem Namen "Mose" soll bis 2010 oder 2011 abgeschlossen sein.

"Mose"-Projektleiter Giovanni Mazzacurati, der Präsident des New Venice Consortium, warnte nun, vor allem ein Risikofaktor durch die neuen Pläne müsse kritisch geprüft werden: Ob sich der Meeresgrund gleichmäßig heben würde nämlich. Wäre das nicht der Fall, könnte der Stadt von der Rettungsmaßnahme größere Gefahr drohen als durch das Meer: "Wenn einzelne Teile unterschiedlich stark angehoben würden, würde die Stadt in sich zusammenfallen", sagte Mazzacurati. Nach vorläufigen Studien sei dies aber unwahrscheinlich, so Gambolati.