Intime Details: Steter Tropfen formt das Bild - DER SPIEGEL
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Intime Details Steter Tropfen formt das Bild

Ein tropfender Wasserhahn kann nicht nur Menschen mit leichtem Schlaf in den Wahnsinn treiben. Auch Wissenschaftler werden von den fallenden Tropfen ihres Schlafes beraubt - zumindest dann, wenn sie deren Dynamik studieren wollen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Song-I Han scheint sich dem Bann der tropfenden Hähne nicht entziehen zu können. Jedenfalls deutet die neue Studie der Diplom-Chemikerin darauf hin. Zusammen mit Kollegen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen ist es der Forscherin gelungen, die internen Prozesse fallender Wassertropfen in noch nie geahntem Detail auf Film zu bannen.

Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Physical Review Letters" schreiben, hatten die bisherigen Beobachtungsmöglichkeiten einen entscheidenden Nachteil: Sie griffen aktiv in das physikalische System des fallenden Tropfens ein. Egal ob Luftkissen oder optische Analyse, immer verhält sich der Tropfen anders, als er in Natur fallen würde.

Song-I Han und Kollegen haben daher auf eine Methode zurückgegriffen, der bereits bei der schonenden Untersuchung des menschlichen Körpers große Erfolge beschieden waren: der kernmagnetischen Resonanz, kurz NMR (Nuclear Magnetic Resonance). Die Technik hat allerdings einen Nachteil. Wie das US-Wissenschaftsmagazin "Science" in seiner Online-Ausgabe berichtet, ist die NMR-Spektroskopie eigentlich zu langsam für fallende Tropfen - selbst in den Augen von Song-I Han.

Um ein einzelnes Bild herzustellen, sind rund 30.000 verschiedene Aufnahmen nötig. Jedes muss dabei von einem anderen Wassertropfen angefertigt werden. Song-I Han war zunächst sicher, dass die verschiedenen Belichtungen das Bild so sehr verschwimmen lassen, dass es letztlich nicht mehr brauchbar ist. Doch die Untersuchung der Tropfen habe gezeigt, so die Forscherin gegenüber "Science Now", dass die Fließmuster jedes Mal dieselben gewesen seien.

Dank dieser Tatsache konnten die 30.000 Aufnahmen aus der NMR-Spektroskopie letztlich zu einem klaren Bild voller intimer Details zusammengesetzt werden. Wenn also der Wasserhahn demnächst zu nächtlicher Stunde tropft, wissen die Forscher wenigstens über dessen interne Konvektionsprozesse Bescheid - auch wenn dieses Wissen nicht unbedingt schlaffördernd sein dürfte.