Iriserkennung: Das Auge ist einzigartig - DER SPIEGEL
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Iriserkennung Das Auge ist einzigartig

Zugangskarten oder Geheimzahlen könnten bald der Vergangenheit angehören. Der Schlüssel zur perfekten Sicherheit liegt, da sind sich britische Forscher sicher, im menschlichen Auge.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

John Daugman hat seinen Mitmenschen tief in die Augen geschaut. Mehr als tief. Über 2000 Abbildungen der menschlichen Iris hat der Forscher der britischen University of Cambridge untersucht und dabei gravierende Unterschiede festgestellt - selbst zwischen Zwillingen.

Wie der Mathematiker zusammen mit seiner Kollegin Cathryn Downing in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" berichtet, stellt die Iriserkennung einen beinahe perfekten Sicherheitsmechanismus dar. Die Chance einer Übereinstimmung bei zwei verschiedenen Personen liege demnach, so die Fachzeitschrift "Nature" in ihrer Onlineausgabe, rein rechnerisch bei eins zu sieben Milliarden.

Mit Hilfe eines Algorithmus hat Daugman die Furchen und Rillen der farbenfrohen Iris in eine eher nüchterne, 2048 Bit starke digitale Unterschrift verwandelt. Dabei musste der so gewonnene Schlüssel in gewissem Maße variabel bleiben, da das Auge unter verschiedenen Bedingungen auch unterschiedlich registriert wird. Die Folge sind verschiedenartige digitale Schlüssel.

Doch selbst mit diesen Beschränkungen erweist sich die Iriserkennung als weitgehend narrensicher. Selbst auf Bildern, auf denen der Augenring nur zu drei Vierteln mit den gespeicherten Daten übereinstimmt, konnte die Person noch sicher identifiziert werden. Auch eineiige Zwillinge stellten für das System kein Problem dar: Die Unterschiede der Augen waren beinahe so groß wie bei völlig verschiedenen Testpersonen. Ein ähnliches Phänomen konnte bei rechtem und linkem Auge derselben Person registriert werden.

Auch eine mögliche Veränderung der Iris über die Zeit macht den Forschern keine Sorgen. "Der Glaube ist weit verbreitet, dass die Iris Aufschlüsse über die Persönlichkeit oder die Gesundheit gibt", schreibt Daugman. "Doch derartige Behauptungen haben sich als medizinischer Schwindel erwiesen." Zwar hätten zwei Irisbilder, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen wurden, Unterschiede bis zu einem Wert von elf Prozent offenbart. Dies liege allerdings weit unter der Grenze, die Probleme bereiten könnte.

Unterstützung bekommt Daugman von Kollegen, die sein System bereits in der Praxis gestestet haben. Wie "Nature Science Update" berichtet, haben Tony Mansfield und seine Kollegen vom National Physical Laboratory in Großbritannien jüngst bestätigt, dass Daugmans Apparatur das genaueste biometrische System ist. Bei zwei Millionen Vergleichen sei kein einziges Mal falscher Alarm geschlagen worden.

Allerdings: Welches System letztlich zum Einsatz komme, hänge oftmals von den Anwendungsmöglichkeiten ab. Neben Genauigkeit spiele auch Geschwindigkeit eine entscheidende Rolle. Mansfield: "Wenn Sie eine lange Schlange von Menschen haben, wollen Sie keine halbe Stunde warten."