ISS-Abschied: Müllmänner im Weltall - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

ISS-Abschied Müllmänner im Weltall

Die Koffer sind gepackt, die Neuen wurden eingewiesen, und der Abfall kommt auch wieder zurück zur Erde: Nach rund vier Monaten im All steht der Rückkehr der ersten ISS-Besatzung nicht mehr viel im Wege.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Cape Canaveral - Die Astronauten der amerikanischen Raumfähre "Discovery" haben sich kurz vor ihrer Rückkehr zur Erde als Müllwerker betätigt. Sie brachten mehr als eine Tonne Anfall und schmutzige Wäsche aus der internationalen Raumstation in das Frachtmodul "Leonardo", das am Mittwoch zusammen mit der Raumfähre zur Erde zurückkehren soll.

"Die Station ist ein geschlossener Raum, und wir hatten für etwa 20 Wochen eine dreiköpfige Besatzung dort", sagte der mit dem Verstauen des Mülls beauftragte Astronaut Andrew Thomas. "Da ist es unvermeidlich, dass eine Menge Abfall anfällt." Mit dem in Italien hergestellten Frachtmodul "Leonardo" waren zuvor fünf Tonnen Güter zur Raumstation befördert worden. Ein wenig Zerstreuung gab es am Wochenende auch: Um den Discovery-Piloten Jim Kelly auf den irischen Nationalfeiertag St. Patrick's Day am Samstag einzustimmen, wurde die Crew mit dem Song "The Rising of the Moon" geweckt.

Vor dem für Montagmorgen geplanten Abschied der "Discovery" wurde diese noch einmal in eine höhere Umlaufbahn gebracht. Zum dritten und letzten Mal während ihres Aufenthalts im All zündeten die Astronauten in der Nacht zum Sonntag ein Triebwerk der Raumfähre. Damit dreht die Station nun ihre Runden 16 Kilometer höher über der Erde als vor der Ankunft der Raumfähre.

Mit der "Discovery" wird am Mittwoch auch die erste Langzeit-Besatzung der Internationalen Raumstation zur Erde zurückkehren. Der Amerikaner Bill Shepherd, der Russe Juri Gidsenko und sein Landsmann Sergej Krikaljow bereiteten sich am Sonntag nach mehr als vier arbeitsreichen Monaten auf die Heimreise zur Erde vor.

Die Landung der Discovery in Cape Canaveral in Florida ist nach jüngsten Nasa-Angaben für Mittwoch 18.55 Uhr MEZ vorgesehen. Das ist einen Tag später als ursprünglich geplant. Da die Astronauten mit den Umzugsarbeiten vom Shuttle in die Raumstation alle Hände voll zu tun hatten, verordnete die Bodenkontrolle im texanischen Houston ihnen 24 Extra-Stunden im Orbit.

Die neuen Bewohner der ISS müssen voraussichtlich bis Anfang Juli die Stellung halten. Es sind der russische Kommandant Juri Usatschew, die Amerikanerin Susan Helms und ihr Landsmann James Voss. Bis zuletzt tauschten sie nach Angaben der Raumfahrtbehörde Nasa Notizen und Informationen mit der alten Besatzung aus, die sich nach 136 Tagen schwerelosem Aufenthalt in der ISS bei ihrer Rückkehr in der Heimat mit umfangreichem Training wieder an die Erdanziehung gewöhnen muss.

Mehr lesen über