Jerusalem Antiker Schutzwall mit modernen Bierflaschen
Die Mauer, die Archäologen jetzt aus der Erde geschält haben, hat schon zu Zeiten Jesu gestanden. Vor rund 2100 Jahren soll die Verteidigungsanlage am Zionsberg am südlichen Rand von Jerusalems Altstadt errichtet worden sein. Laut Yehiel Zelinger, der die Ausgrabung im Auftrag der israelischen Altertümerverwaltung leitet, deutet der Standort der Mauer darauf hin, dass sich Jerusalem zu jener Zeit nach Süden ausgedehnt und seine in biblischen Zeiten größte Ausdehnung erreicht hatte.
Die rund 3,20 Meter hohe Mauer sei weder von Mörtel noch anderen Bindematerialien verstärkt gewesen und habe zu einer insgesamt sechs Kilometer langen Wehranlage rund um die Stadt gehört. Die heutige Mauer um die Jerusalemer Altstadt ist dagegen nur rund vier Kilometer lang.
Die Ausgräber fanden während ihrer Arbeit nicht nur Spuren aus der Antike, sondern auch aus der Neuzeit. Britische Archäologen hatten die Mauer bereits in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts untersucht - und waren darüber offenbar durstig geworden. Der US-Amerikaner Frederick Bliss und sein britischer Assistent Archibald Dickie ließen mehrere Wein- und Bierflaschen, einen Schuh und eine Lampe zurück. Jetzt, rund 120 Jahre später, wurden die Hinterlassenschaften der beiden Ausgräber von ihren Kollegen gefunden.
Die antike Mauer am Zionsberg verschwand, als während der byzantinischen Epoche ein ähnlicher Wall errichtet wurde, der nahezu derselben Linie folgte. Auch er wurde bei den Ausgrabungen gefunden.
Das Ziel von Zelinger und seinen Kollegen ist es, die Umrisse des historischen Jerusalems möglichst genau zu erforschen. Ausgrabungen dieser Art sind immer wieder auch politisch brisant: Nicht selten sollen sie dazu dienen, Gebietsansprüche zu rechtfertigen.
mbe/Reuters/AP