Jetlag: Die Leber tickt anders - DER SPIEGEL
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Jetlag Die Leber tickt anders

Angepasste Essenszeiten könnten Reisenden helfen, die Auswirkungen eines Jetlags möglichst klein zu halten. Denn die Leber kann, so eine aktuelle Studie, in ihrer eigenen Zeitzone leben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im menschlichen Körper ticken viele Uhren: Den so genannten circadianen Rhythmen, die sich in unterschiedlich Expressionen mancher Gene ausdrückt, unterliegen Organe von der Lunge bis zur Leber. All diese Rhythmen schwingen im Einklang mit der inneren Uhr des Gehirn, die von dem Wechsel zwischen Tag und Nacht getaktet wird und das Verhalten bestimmt. Ob allerdings die Zeitzonen der Organe direkt vom Gehirn - zum Beispiel über die Ausschüttung von Hormonen - synchronisiert werden, war bislang umstritten.

Möglicherweise, so die Hypothese des Biologen Michael Menaker von der University of Virginia im US-amerikanischen Charlottesville, könnten auch äußere Einflüsse für die Rhythmen der Organe verantwortlich sein. Um das zu testen, hat Menaker die Auswirkungen regelmäßiger Essenszeiten genauer studiert. Die Ergebnisse wurden jetzt im Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht.

Bei ihren Untersuchungen nahmen die Biologen ein Gen namens Per1 genauer unter die Lupe, das als eines der Zahnrädchen in der biologischen Uhr von Säugetieren gilt. Indem die Wissenschaftler ihren Versuchsratten lediglich für vier Stunden täglich Futter zur Verfügung stellten, wurde das Maximum an Per1-Expression in der Leber um bis zu zehn Stunden verschoben - und das nach nur zwei Versuchstagen. Gleichzeitig blieb der Per1-Rhythmus im Gehirn unverändert.

"Es macht Sinn, dass sich die Leberaktivität auf das Nahrungsangebot einstellt", meint der Biologe Craig Heller von der Stanford University. "Schließlich müssen für die Verdauung die richtigen Enzyme zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen." Ob dabei die Zeitkontrolle des Gehirns vollständig ausgeschaltet wird, bleibt allerdings offen. Schließlich kann das Gehirn durch die Beeinflussung des Schlafrhythmus bestimmen, zu welchen Zeiten sich ein Tier überhaupt auf Nahrungssuche macht.

Dennoch sind Menaker und Kollegen davon überzeugt, dass ihre Erkenntnisse praktische Auswirkungen haben werden. So klagten Schichtarbeiter und Fernreisende oftmals über Verdauungsprobleme, die mit Hilfe genau festgelegter Essenszeiten gelindert werden könnten. Darüber hinaus könnte das Training der Leber, so hoffen die Forscher, auch die therapeutische Wirkung von Medikamenten erhöhen.