Kaiserschnitt Sind die Väter schuld?
London - Die Männer seien meist sehr geschockt, wenn sie sähen, was ihre Frauen durchmachen müssten, erklärte der Spezialist. Immer wieder fragten sie deshalb, ob die Schmerzen noch zu ertragen seien. Damit, so Odent, würden die Väter den Geburtsvorgang stören. Der Franzose, der als Vater der "Swimmingpool-Geburt" gilt und im Laufe seiner 48-jährigen Berufspraxis bei mehr als 15.000 Geburten geholfen hat, will nach Angaben des britischen Fernsehsenders BBC seine vom Trend abweichende Meinung am Freitag in einer Vorlesung in London erläutern.
In Großbritannien und anderen westlichen Ländern sind inzwischen neun von zehn Vätern bei der Geburt ihres Kindes dabei. Nach Ansicht von Odent sollten sie besser in der Kneipe sitzen: Die Geburt sei ein "urzeitlicher Akt", bei dem sich die Frau ganz "fallen lassen" müsse. "Die Anwesenheit eines ängstlichen Vaters stört ihren mentalen Zustand. Indem er ständig rationale Fragen stellt, stimuliert er den intellektuellen Teil ihres Gehirns und unterbricht damit den natürlichen Geburtsvorgang", meint Odent.
Oft dränge der Mann auf ein stärkeres Eingreifen der Ärzte oder sogar auf einen Kaiserschnitt. In Großbritannien sei die Zahl der Kaiserschnitte allein in den vergangenen drei Jahren um 33 Prozent gestiegen. "Männer fühlen sich besser, wenn sie wissen, dass ihre Frau alles bekommt, was medizinisch möglich ist", meint Odent. Was Frauen dagegen wirklich bräuchten, sei die Freiheit zu schreien - ohne dass ihr Mann gleich befürchte, sie lägen im Sterben. "Es ist besser für die Frau, wenn ihr eine andere Frau beisteht, die selbst schon Mutter ist."
Allerdings teilen nicht alle die Meinung des Geburtsmediziners. Mary Newburn, Leiterin der Forschungsabteilung der britischen Geburtsstiftung, sagte etwa, es hänge ganz von dem einzelnen Mann ab, ob seine Anwesenheit wünschenswert sei. "Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Frauen davon profitieren, wenn ihre Partner dabei sind, und das als große Hilfe empfinden."