Klimaforscher: Die Zeichen stehen auf Sturm - DER SPIEGEL
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Klimaforscher Die Zeichen stehen auf Sturm

Die Luftmassen über dem Atlantik und der Karibik werden, so eine aktuelle Studie, auch in den kommenden Jahrzehnten nicht zur Ruhe kommen. Gleichzeitig warten Forscher mit einer neuen, erschreckenden Klimaprognose auf.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Über die Karibik, Florida und andere Südstaaten der amerikanischen Atlantikküste werden noch Jahrzehnte lang schwerste Hurrikane hinwegfegen. Das schreiben US-Forscher von der National Oceanic and Atmospheric Administration in Miami in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science".

Ihren Berechnungen zufolge sind noch mindestens bis zum Jahr 2010 in dieser Region ähnlich verheerende Herbststürme zu befürchten wie in den vergangenen sechs Jahren. Schlimmstenfalls könnten die stürmischen Zeiten dort sogar bis 2040 dauern.

Seit 1995 hat sich die Zahl der Hurrikane über dem Atlantik und der Karibik verdoppelt, berichten Stanley Goldenberg und Kollegen in "Science". Die Zahl der Killerstürme mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 50 Metern pro Sekunde stieg auf das 2,5fache. In der Karibik hat sich die Zahl der Hurrikane sogar verfünffacht.

Das US-Team suchte in den Aufzeichnungen vergangener Stürme nach Anhaltspunkten für eine effektive Prognose. Basierend auf der Erkenntnis, dass eine höhere Temperatur der Meeresoberfläche und ein Mangel an Regenfällen die Entstehung von Hurrikanen begünstigen, gehen die Forscher davon aus, dass sich die Periode heftigster Hurrikane bis in die nächsten vier Jahrzehnte fortsetzt.

Dem widerspricht allerdings Lennart Bengtsson vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Er schreibt in einem Kommentar in "Science", dass die Voraussetzungen für die Bildung eines Hurrikans noch nicht ausreichend bekannt seien, um eine solche Prognose zu wagen.

Fest stehe lediglich, dass Hurrikane heute mehr Schaden anrichten als in der Vergangenheit. Das liege aber eher an der starken Bebauung der Küstengebiete als an der Stärke der Stürme. Während der Verlust an Menschenleben weiterhin relativ niedrig bliebe, könnte ein einzelner Hurrikan heute bis zu 100 Milliarden Dollar Schaden verursachen.

Doch nicht nur verheerende Stürme auch die generelle Klimaveränderung entzweit die Wissenschaftler. Nach einer ebenfalls in "Science" veröffentlichten Studie wird sich das Weltklima ohne durchgreifende globale Maßnahmen von 1990 bis zum Ende dieses Jahrhunderts um 1,7 bis 4,9 Grad Celsius erwärmen. Das entspreche einem Anstieg um durchschnittlich 0,3 Grad pro Jahrzehnt.

Der vor wenigen Monaten vorgestellte Uno-Klima-Bericht hatte den Rahmen noch offener gehalten und von 1,4 bis 5,8 Grad Erwärmung bis 2100 gesprochen. Für den gleichen Zeitraum kündigte er einen Anstieg des Meeresspiegels um 9 bis 88 Zentimeter an.

Die neue Studie wurde vom National Center for Atmospheric Research der USA in Boulder, dem Klimainstitut der britischen University of Norwich und dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven erstellt. Ihre Autoren strafften zu erwartende Werte für Emissionen, die Klimasensibilität und andere Unsicherheitsfaktoren und kamen dadurch zu einem "realistischeren Ergebnis" als die Uno-Prognose, wie sie in "Science" schreiben.