Klinische Studie: Aids-Impfstoff enttäuscht - DER SPIEGEL
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Klinische Studie Aids-Impfstoff enttäuscht

Die erste klinische Studie mit einem Aids-Impfstoff hat kaum ermutigende Resultate geliefert. Immerhin schien das Vakzin einer kalifornischen Firma bei Schwarzen und Asiaten eine gewisse Wirkung zu haben.
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Ein Aids-Impfstoff der US-Firma VaxGen hat das Ziel verfehlt, die Mehrheit der 5400 Teilnehmer einer großen klinischen Studie erkennbar vor einer Infektion mit dem HI-Virus zu schützen. Zwar sei unter Afroamerikanern und Asiaten ein deutlicher Rückgang der Ansteckungen zu erkennen gewesen, berichtete das Unternehmen aus dem kalifornischen Brisbane. Insgesamt aber waren geimpfte Probanden kaum besser geschützt als Kontrollpersonen, die ein Scheinmedikament erhielten.

Die als Aidsvax bekannte Substanz sei "nicht das letztlich gesuchte Produkt" für alle Menschen, räumte auch der führende Impfstoff-Experte beim Aidsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS), José Esparza, in der "New York Times" ein. Dennoch nannte er das Ergebnis ermutigend, da es einen neuen Weg aufzeige. Der Versuch bringe den klaren Beweis, dass ein Impfstoff funktionieren könne, erklärte UNAIDS-Chef Peter Piot.

Aidsvax besteht hauptsächlich aus dem Protein gp120. Dieses Eiweißmolekül sitzt auf der Oberfläche der Aidsviren und hilft ihnen, an die menschlichen Immunzellen anzudocken. VaxGen gewinnt das gp120-Protein aus gentechnisch veränderten Eierstock-Zellen von Hamstern. Da der Impfstoff nicht das komplette Virus, sondern nur einen seiner Eiweißstoffe enthält, ist eine Infektion durch die Impfung ausgeschlossen.

Ziel der Versuche war es, das Immunsystem der geimpften Personen zur Produktion von Antikörpern anzuregen, die sie später beim Kontakt mit dem kompletten Aidserreger gegen eine Infektion schützen sollten. Die Studie schloss 5400 HIV-freie Teilnehmer in 59 Zentren von Nord- und Mittelamerika sowie Europa ein. Etwa 5100 waren Homosexuelle, die regelmäßig Kontakt mit anderen Männern hatten. Die rund 300 Frauen, die sich an der Untersuchung beteiligten, galten ebenfalls als besonders gefährdet.

Zwei Drittel der Teilnehmer wurden im Verlauf von drei Jahren insgesamt siebenmal mit dem Vakzin geimpft. Das übrige Drittel erhielt ebenso oft Injektionen mit einem wirkungslosen Scheinmedikament, einem so genannten Placebo. Während der Untersuchung wurde kontrolliert, ob sich die Probanden mit dem Virus infizierten.

Wie VaxGen berichtet, konnte der Impfstoff die Infektionsrate in der behandelten Gruppe um 3,8 Prozent senken - kein "statistisch signifikanter Rückgang", wie die Firma einräumt. Unter geimpften Schwarzen und Asiaten sei die Infektionsrate jedoch im Vergleich zur Placebo-Gruppe um 67 Prozent niedriger ausgefallen. Trotz der relativ geringen Größe dieser Teilnehmergruppen sei dieser Rückgang höchstwahrscheinlich nicht zufällig, urteilt das Unternehmen.

Ob der Impfstoff Afroamerikanern und Asiaten tatsächlich einen gewissen Schutz verleiht, soll die weitere Analyse der Daten klären. Aidsvax ist der einzige Impfstoff gegen die Immunschwäche, der bereits die letzte Studienphase vor der erhofften Zulassung durch die US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration durchlaufen hat. Experten vermuten jedoch, dass VaxGen die Genehmigung nicht ohne zusätzliche Untersuchungen erhält.

Das Resultat kommt laut der "New York Times" nicht überraschend: Die Mehrzahl der Aidsforscher hatte dem Impfstoff demnach nur geringe Chancen eingeräumt, zumal das Vakzin bestenfalls nur vor zwei Stämmen des in Europa und Nordamerika vorherrschenden HIV-Typs B schützen kann. Viele Experten glauben sogar, dass der Impfstoff wegen der Wandlungsfähigkeit des Erregers selbst dieses Ziel auf Dauer nicht erreichen dürfte.

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