Knochenbrüche: Gentechnik "schweißt" Knochen - DER SPIEGEL
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Knochenbrüche Gentechnik "schweißt" Knochen

Mit Hilfe der Gentechnik werden Knochenbrüche nach Expertenansicht künftig wesentlich schneller heilen. Auch seine ursprüngliche Festigkeit soll der Knochen rascher wiedergewinnen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover - Gentechnisch im Labor hergestellte Eiweiße beschleunigen die Knochenheilung im Experiment um bis zu 120 Prozent, erklärt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Professor Norbert Haas.

"Die nächste Stufe wird sein, menschliche Zellen gentechnisch dazu anzuregen, diese Stoffe selbst verstärkt herzustellen", sagt Haas im Rahmen des Unfallchirurgen-Kongresses "Trauma 2000" in Hannover.

Das Zusammenwachsen von Knochen nach einem Bruch dauere heute immer noch so lange wie früher, erklärt der Mediziner. "Der Unterschenkel eines Erwachsenen braucht mindestens 16 bis 20 Wochen, bis er verheilt ist." Dass körpereigene Eiweißstoffe das Knochenwachstum stimulieren, sei jedoch schon längst bekannt.

Nach einer Studie mit 450 Patienten in elf Ländern stehe die Unfallchirurgie jedoch nun davor, die "Wachstumsstoffe" klinisch einzusetzen. "In zwei bis drei Jahren wird das Routine sein", glaubt Haas.

Dabei könne die zellerneuernde Substanz gespritzt oder über Trägerstoffe in das Gewebe gebracht werden, erläuterte der Experte. Zudem gebe es die Möglichkeit, Implantate wie Nägel oder Platten mit der wachstumsfördernden Substanz zu beschichten.

"Der große Vorteil ist, dass der Knochenbruch schneller heilt, und der Knochen auch schneller seine ursprüngliche Festigkeit gewinnt", sagte Haas. Fünf bis zehn Prozent aller komplizierten Frakturen verheilten bisher nicht störungsfrei, sondern müssten operativ nachbehandelt werden.

Die gentechnische Stimulation der Gewebezellen befinde sich dagegen noch im Experimentalstadium. Hier müsse auch die Unbedenklichkeit der Gen-Überträger geprüft werden. "Anders als etwa in der Tumorforschung sind wir mit der Heilung der Knochenbrüche da nicht an vorderster Front", meinte Haas.

Gleichwohl sei die Gentechnik auch für die Unfallchirurgie die Zukunftstherapie. "Wenn in der Tumorforschung Gen-Träger ohne Nebenwirkungen gefunden werden, springen wir natürlich auf den Zug auf."