Köln Archäologen graben römischen Lastkahn aus
Es muss ein Unglücksfall auf dem Rhein gewesen sein. Was auch immer die genauen Gründe waren: Der 20 Meter lange Lastkahn sank - und das auch noch in der Mitte der Fahrrinne. Dann passierte lange nichts, mehr als 2000 Jahre lang. Bei den Arbeiten für eine U-Bahn sind Bauleute unter dem Alter Markt von Köln nun auf seine Überreste gestoßen. In zwölf Metern Tiefe fanden sie ein acht Quadratmeter großes Plankenteil aus Eichenholz, versehen mit Eisennägeln.
"Es besteht die reelle Chance, dass es sich um das älteste römische Lastschiff in Mitteleuropa handelt", frohlockt Gerd Hellenkemper, Chef der Kölner Bodendenkmalpflege. Denn Experten der Universität Köln haben bereits herausgefunden, dass das Holz des Schiffes mehr als 2100 Jahre alt ist. Sie haben das Alter der Eiche datiert, aus deren Holz der Lastkahn gebaut wurde. Der Baum keimte demnach im Jahr 142 vor Christus, vermutlich irgendwo im Oberbergischen.
Erste Erkenntnisse gibt es auch zur äußeren Form des Schiffes. Die Archäologen schätzen, dass es 22 Meter lang und 3,50 Meter breit war. Solche Lastschiffe mit flachem Boden waren nach Christi Geburt weit verbreitet im römischen Europa. Mit ihnen wurden Steine, Holz und Nutztiere transportiert. Das in Köln gefundene Exemplar soll eine Tragfähigkeit von 20 bis 30 Tonnen gehabt haben.
Langwierige Restaurierung bis 2011
Über die römische Schifffahrt auf dem Rhein ist einiges bekannt: So waren Anfang der achtziger Jahre in Mainz die Überreste von mehreren Römerschiffen gefunden worden. Zwar machten Kriegsschiffe einen großen Teil der Funde aus, doch auch Reste von Handelsbooten wurden gefunden.
Das Kölner Wrack soll am Montag in vier Teilen geborgen werden allerdings nur zum Teil. Denn ein großes Stück des Schiffswracks liegt hinter einer Betonwand, die für den U-Bahn-Bau errichtet worden war. Die Archäologen wissen bis jetzt noch nicht, ob sie auch diesen Teil des Fundes freilegen können. In jedem Fall dürfte es noch eine Weile dauern, bis die Kölner und ihre Gäste das Boot zu Gesicht bekommen: Die Restaurierung soll bis zum Jahr 2011 dauern.
chs/dpa