Konzertexperiment: Der Klang der Stille - DER SPIEGEL
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Konzertexperiment Der Klang der Stille

Besucher eines Orgelkonzerts sollen am Donnerstag dieser Woche Mittelpunkt eines Experiments werden: Wissenschaftler wollen herausfinden, wie sie auf die Beschallung mit Klangvibrationen reagieren, die für das menschliche Gehör nicht mehr wahrnehmbar sind. Von Übelkeit bis Freude sei alles drin.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Während des 50-minütigen Konzerts der russischen Pianistin Ewgenia Tschudinowitsch wird ein Lautsprecher, versteckt in einem Abzugsrohr, Infraschall in feinen Vibrationen aussenden. Die britischen Forscher interessiert es, ob und wenn ja, wie das Auditorium unbewusst auf den akustischen Einfluss reagiert. Möglich sei demnach eine weites Spektrum an Emotionen.

Nach dem Konzert sollen die Besucher einen Fragebogen ausfüllen und werden anschließend an einer Diskussionsrunde zum Thema Infraschall teilnehmen. Man rechne mit einem positiven Feedback, so der Psychologe Richard Wiseman.

In der Theorie könnte es den Freunden der Orgelmusik unter dem Einfluss des Infraschalls aber auch den Magen umdrehen. Um hysterische Zeitgenossen keine sich selbst erfüllende Prophezeiung anstreben zu lassen, wurde deshalb schon die Devise ausgegeben: Kein Erbrechen! Die Reaktionen, so Wiseman, könnten von ehrfurchtsvollem Staunen bis hin zu Krankheitssymptomen reichen. Doch die Veranstalter sind der festen Überzeugung, dass das schöne Ambiente des Veranstaltungsort, einer Kathedrale, und der akustische Genuss der hörbaren Darbietung der Organistin für eine angenehme Stimmung sorgen werden.

Auf die Beine gestellt wurde die Mischung aus Konzert und Versuchanordnung von einem Team bestehend aus Musikern, Wissenschaftlern und Psychologen. Auch die John Moores University Liverpool ist in das Experiment involviert.