Krebsgefahr: Schweinische Rache - DER SPIEGEL
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Krebsgefahr Schweinische Rache

Zu viel Fleisch kann tödlich sein. Bis zu einem Drittel aller Krebsfälle ließen sich auf falsche Ernährung zurückführen, laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum.
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Heidelberg - Jährlich erkranken schätzungsweise 340.000 Menschen an Krebs. Zum großen Teil sind dafür nicht Rauchen und genetische Faktoren verantwortlich, sondern das falsche Essen. "Bis zu ein Drittel aller Krebsfälle gehen auf die Ernährungsgewohnheiten zurück", sagt Nikolaus Becker, Epidemiologe am Deutschen Krebsforschungszentrum  in Heidelberg.

Hoher Fleisch- und Kochsalzverzehr, fettreiches Essen und starker Alkoholkonsum fördern die Entstehung von Krebskrankheiten, vor allem von Darmkrebs. Dabei kann, so Becker, jeder das Erkrankungsrisiko mit ausgewogener Ernährung senken - und zwar deutlich. Und das Beste: "Die Leute müssen nicht zu mausgrauen Gesundheitsaposteln werden", sagt der Experte.

So empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung  (DGE), täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Insbesondere die darin enthaltenen Vitamine C, E und Beta-Carotin sowie Spurenelemente wie Selen können laut DGE zum Schutz vor Krebskrankheiten beitragen.

Deutliche Hinweise für Krebs vorbeugende Effekte pflanzlicher Kost hat auch Rainer Frentzel-Beyme vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin  bei einer Langzeitstudie an 1904 Vegetariern registriert. Danach sank das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder an Krebs zu sterben, um teilweise mehr als die Hälfte. Besonders deutlich verringerte sich das Darmkrebsrisiko.

Je länger eine vegetarische Ernährungsweise verfolgt wurde, desto größer war laut Studie auch der gesundheitliche Vorteil. Allerdings ist noch unklar, welche konkreten Substanzen in Obst und Gemüse für den starken positiven Effekt auf die Krebsprävention verantwortlich sind. Neben Vitaminen sind in pflanzlicher Kost zehntausende weitere Inhaltsstoffe vorhanden, über die man noch zu wenig weiß. Gesichert ist laut Becker allerdings, dass ein hoher Vitamin-C-Konsum das Magenkrebsrisiko deutlich senken kann. Den Krebsschutz können die zahlreichen Lebensmittelinhaltsstoffe auf unterschiedliche Weise erzielen. Nach Angaben der Experten hemmen einige Substanzen komplett die Aufnahme Krebs erregender Stoffe im Körper, andere verhindern Entzündungsprozesse. Wieder andere stoppen die Aufnahme kanzerogener Stoffe in Körperzellen oder schützen das genetische Material des Menschen. "Es reicht aber nicht aus, nur einzelne Nährstoffe aufzunehmen, um sich wirksam vor Krebs zu schützen", betont Becker. Vitaminpillen etwa helfen da nicht.

Unterschätzt werde in der Bevölkerung zumeist der Einfluss von Alkohol auf die Entstehung von Krebs, unterstreicht der Epidemiologe. So führe allein der Alkoholkonsum zu rund neuen 6000 Krebserkrankungen im Jahr. Das Vorurteil, mäßiges Trinken von Rotwein schütze vor Krebs, sei nicht haltbar. Allenfalls bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen könne Wein eine positive Wirkung haben.

Für immer auf ein Glas Bier oder Wein zu verzichten, um sich vor Krebs zu schützen, ist Becker zufolge nicht nötig. Eine Flasche Wein täglich sei aber in jedem Fall gesundheitsschädlich.