Krebsoperation Eierstock in den Oberarm verpflanzt
Die so genannte Autotransplantation, die jetzt ein Ärzteteam der Uniklinik in Leiden vollführt hat, gehört zu den wenigen gelungenen Versuchen weltweit, einer Frau einen eigenen Eierstock an eine andere Stelle des Körpers zu verpflanzen. Bei der anschließenden Bestrahlung des Beckenbereichs blieb die Fortpflanzungsfähigkeit der Patientin geschützt: Falls die 29-Jährige schwanger werden möchte, können ihr Eizellen aus dem Arm entnommen und im Reagenzglas befruchtet werden, schreiben die Mediziner um Carina Hilders im Fachmagazin "Cancer" (Online-Vorabveröffentlichung).
Eine Autotransplantation - die Verpflanzung eigener Organe an andere Körperstellen - sei nicht so problematisch wie eine Transplantation von körperfremden Organen, erklärt Hilders. Zudem könne der Eierstock im Oberarm optimal mit Blut versorgt werden, so dass der monatliche Zyklus von wachsenden Eizellen auch nach der Transplantation gewährleistet sei.
1987 war einem französischen Ärzteteam erstmals ein solcher Eingriff bei einer Patientin mit Lymphdrüsenkrebs gelungen. Allerdings hat die Frau bis heute aus persönlichen Gründen keine Kinder bekommen, berichtet die britische BBC. Vor vier Jahren wurde das Verfahren auch in New York erfolgreich angewandt.
Hoffnung für die Zeit nach der Therapie
Ionisierende Strahlung, die häufig gegen Gebärmutterhalskrebs eingesetzt wird, führt bei Patientinnen oft zu permanentem Eierstockversagen und daher auch zu Unfruchtbarkeit. Zudem kommt die niederschmetternde Diagnose nicht selten im gebärfähigen Alter, was laut Hilders eine große psychische Belastung darstellt. Die Transplantation könne deshalb die Lebensqualität nach der Krebsbehandlung verbessern.
Frühere Versuche, mit Hormonen die Fruchtbarkeit der Patientinnen zu erhalten, sind bislang nur in Experimenten mit Tieren gelungen. Zwar können Embryos eingefroren werden, doch um weiter fruchtbar zu sein, sind Eizellen nötig. Die neu entwickelte Methode könnte daher eine echte Alternative für viele Patientinnen werden, auch nach einer Krebstherapie fortpflanzungsfähig zu bleiben.
Allerdings gilt dies nur für die Strahlenbehandlung, nicht aber für die Chemotherapie, da diese den gesamten Körper angreift und die Eierstöcke auch am Oberarm in Mitleidenschaft ziehen könnte. Ein Nachteil der Autotransplantation ist außerdem die Tatsache, dass die Patientin bei einer späteren Schwangerschaft auf die In-Vitro-Fertilisation angewiesen wäre: Dem Eierstock im Arm müsste eine Eizelle entnommen werden, die dann im Reagenzglas befruchtet wird.
Eine Alternative ist, den Eierstock vor der Strahlenbehandlung zu entnehmen, ihn einzufrieren und später wieder einzupflanzen - vorausgesetzt, das Gewebe erholt sich ausreichend von der Kühlung. Dann aber kann die Befruchtung ganz natürlich, nämlich auf sexuelle Art, stattfinden. Erst Ende September hat eine 32-Jährige Lymphdrüsenkrebs-Patienten, der aufgetautes Eierstockgewebe eingepflanzt worden war, ein Kind zur Welt gebracht - eine medizinische Weltpremiere.