Kriminalität Lust beim Zündeln
SPIEGEL:
In den USA brennen die Wälder, festgenommen wurden zwei Feuerwehrleute. Stimmt es, dass Feuerwehrleute die meisten Brände selbst legen?
Laubichler: Das ist ein Mythos. Zwar treibt es Pyromanen oft zum Tatort zurück; etwa jeder dritte dieser pathologischen Feuerleger ist später beim Löschen behilflich. Aber das sind keineswegs immer Feuerwehrleute. Wir haben über 30 Jahre hinweg 103 Brandstifter untersucht, nur 2 der Täter waren Feuerwehrleute.
SPIEGEL: Und all die anderen Feuer?
Laubichler: Nur jeder dritte gelegte Brand wird aufgeklärt. Etwa zwei Drittel gehen auf das Konto von zündelnden Kindern. Bei erwachsenen Einfachtätern kommt es vor, dass einer in Selbstmordabsicht sein Haus mit in den Tod nehmen will. Selten geht es um Versicherungsbetrug, noch seltener um Rache. In unserer Studie blieben 39 echte Pyromanen übrig, also solche, die mehrere Feuer gelegt hatten, und zwar ohne einleuchtendes Motiv.
SPIEGEL: Wie wird einer zum Feuerteufel?
Laubichler: Pyromanen sind fast immer jung, so zwischen 14 und 25 Jahren. Wenn sie mit denen reden, dann sind das schüchterne, gehemmte, verschlossene Männer, die verspottet werden und unter großer Selbstunsicherheit leiden. Viele haben ein Alkoholproblem. Es sind abnorme Persönlichkeiten, aber nicht etwa Geisteskranke.
SPIEGEL: Was bedeutet ihnen das Feuer?
Laubichler: Manche genießen einfach das Spektakel. Andere haben einen Mordszorn. Vor den lodernden Flammen schlägt ihre Frustration in ein Größenerlebnis um. Ich erinnere mich aber auch an zwei Täter, die vom Feuer sexuell erregt wurden.
SPIEGEL: Brandstiftung als Luststiftung?
Laubichler: Äußerst selten, aber es kommt vor. Ein junger Mann gab zu, vor den Flammen zu onanieren. Ein anderer, der in den siebziger Jahren in Salzburg wütete, war weniger am Brand interessiert, sondern onanierte, sobald die Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Sirene nahten. Nach seiner Haftstrafe äscherte er wegen eines Streits am Arbeitsplatz seinen Betrieb ein. Aber das ist sehr untypisch.
SPIEGEL: Inwiefern?
Laubichler: Unter allen Brandstiftern die ich kenne, haben nur zwei nach ihrer Haft wieder einen Brand gelegt. Pyromanie ist ein typischer Psycho-Infantilismus, verwandt mit der Lust vieler Kinder am Zündeln. Die meisten Täter bekommen saftige Strafen, mit steigendem Lebensalter gibt sich das Problem von selbst.