Kurswechsel: Bald geklonte Briten? - DER SPIEGEL
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Kurswechsel Bald geklonte Briten?

Die traditionelle Vorliebe der Briten für Sonderwege zeigt sich wieder einmal in der Diskussion um das Für und Wider des Klonens: Wahrscheinlich wird Großbritannien als erstes europäisches Land das Klonen menschlicher Embryonen legalisieren. Das aber, ist aus Regierungskreisen zu hören, habe gar nichts mit dem "Duplizieren von Menschen" zu tun.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Großbritannien will offenbar das Klonen von menschlichen Embryonen zu Forschungs- und Behandlungszwecken genehmigen. Wie der britische "Daily Telegraph" in seiner Montagsausgabe berichtet, hat eine vom britischen obersten Amtsarzt geleitete Expertengruppe dafür plädiert, das Verbot des Klonens menschlicher Embryonen aufzuheben, um die Produktion menschlichen Gewebes zur Behandlung von Krankheiten zu ermöglichen. Der potenzielle Nutzen geklonter Embryonen für die Behandlung Kranker überwiege die ethischen Bedenken bei weitem.

Unter Berufung auf nicht näher genannte Regierungskreise hieß es, es sei so gut wie sicher, dass die Regierung das Verbot so genannten therapeutischen Klonens aufheben werde. Britische Minister hätten sich ebenfalls für die Aufhebung des Verbots ausgesprochen.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte dagegen, der Bericht sei reine Spekulation - dementierte ihn aber auch nicht.

Die Zeitung berichtete, dass britische Minister von einem baldigen Ende des Verbots des "therapeuthischen Klonens" gesprochen hätten. Leber-, Nieren- und Herzkrankheiten könnten künftig mit dem Verfahren behandelt werden, hieß es. "Das Potenzial ist enorm. Wir könnten damit Herzmuskel oder Knochenmark züchten, und dies wäre keine Gefahr für die Menschheit", sagte ein Mitglied des Gremiums.

Klonen ja, "Duplizieren" nein?

Der Zeitung zufolge wollen Minister mit Aufklärungsarbeit die Bevölkerung davon überzeugen, dass das Klonen von Embryonen nichts mit dem Duplizieren von Menschen zu tun habe.

Die britische Gesundheitsministerin Tessa Jowell hatte noch im Juni des vergangenen Jahres die ablehnende Haltung der Regierung zum Klonen von Menschen bekräftigt. Sie sagte aber, dass die Möglichkeiten des "therapeutischen Klonens" in Betracht gezogen werden müssten.