Leguane: Schere, Stein, Sex - DER SPIEGEL
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Leguane Schere, Stein, Sex

Das Liebesleben mancher Echsen ist ganz einfach: Blau schlägt gelb, gelb schlägt orange, und - richtig geraten - orange schlägt blau.
Von Alexander Stirn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn die Seitenfleckleguane beim Sex zum Zug kommen wollen, greifen sie auf ein auch bei Menschen bekanntes Prinzip zurück: Schere, Stein, Papier. Und genau wie beim Knobeln mit den Finger gibt es auch bei den Leguanen - rein statistisch gesehen - nur Gewinner.

Ein jetzt in der Online-Ausgabe der "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichter umfangreicher Vaterschaftstest beweist: Die männlichen Seitenfleckleguane bedienen sich, abhängig von der Farbe ihrer Kehlen, drei verschiedener Paarungsstrategien, um bei den Weibchen an die Reihe zu kommen. Dabei hat jede ihre Schwächen, ist zugleich aber auch erfolgreich - manchmal erst nach dem Tod des Tieres.

Kelly R. Zamudio vom Museum of Vertebrate Zoology der University of California in Berkeley hat mit ihrer Untersuchung Vermutungen bestätigt, die ihr Kollege Barry Sinervo bereits 1996 basierend auf Feldstudien aufgestellt hat. Während sich bei fast allen Tierarten eine Sex-Strategie letztlich als die erfolgreichste durchgesetzt hat, existieren bei den in Kalifornien und Nevada lebenden Seitenfleckleguanen mehrere Arten, das Liebesleben zu gestalten. Der Zyklus, in dem sich abwechselnd die roten, blauen und orangenfarbigen Echsen durchsetzen, dauert rund vier Jahre.

Die blauen Leguane, eher der harmoniesüchtige Typ, kuscheln dabei gern mit ihren Partnerinnen im warmen Sand. Auf diese Weise verhindern sie zwar, dass die hinterlistigen Gelben das Weibchen begatten; gegen die aggressiven orangen Echsen haben sie jedoch keine Chance. Hat sich die Macho-Fraktion der Orangenfarbigen schließlich durchgesetzt, werden deren Harems schnell zu unübersichtlich. Dann schlägt die Stunde der gelben Leguane: Sie können sich nämlich als Weibchen tarnen und in das Lager der Feinde schleichen, dort begatten sie - von der Konkurrenz unbemerkt - die Weibchen. Dadurch sinkt die Zahl der orangen Nachkommen stark ab, und die blauen Leguane trauen sich wieder zurück. Gegen deren umklammernde Zuneigung haben die Gelben allerdings keine Chance mehr.

Zamudio hat nun, wie die Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "New Scientist" meldet, Hautproben von mehr als 700 freilebenden Leguanen genommen und auf mögliche Verwandtschaftsverhältnisse untersucht. Mit Hilfe einer DNS-Analyse gelang es der Forscherin, die Vaterschaft von 500 Nachkommen innerhalb der Gruppe festzustellen. Alle Vorhersagen des "Schere-Stein-Papier"-Modells seien dabei eingetreten.

Doch nicht nur das: Zamudio kam auch zu der Erkenntnis, dass das Sperma gelber Leguane lange nach dem Tod der Väter noch die Eizelle erreichte. Offensichtlich, so die Forscherin, überlebten die gelben Samenzellen deutlich länger im Spermaspeicher der Weibchen als die der andersfarbigen Konkurrenten. Zamudio: "Es scheint fast so, als würde die Tarnstrategie der gelben Leguane auch nach ihrem Tod noch funktionieren."