Mächtige Männer hatten mehr Kinder - DER SPIEGEL
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Menschheitsgeschichte Mächtige Männer hatten mehr Kinder

Wer Macht und Einfluss hat, pflanzt sich häufiger fort. So war es, bevor Verhütungsmittel erfunden wurden. Bis heute beeinflusst der Status eines Mannes seine Chancen auf dem Singlemarkt.
Dschingis-Khan-Statue
Dschingis-Khan-Statue

Dschingis-Khan-Statue

Foto: Michael Kohn/ dpa
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Viel Macht, viele Nachkommen: Diese Gleichung geht zu Zeiten moderner Verhütungsmethoden nicht mehr ganz auf. Typischerweise haben wohlhabendere Männer heute weniger Kinder als ärmere. In einem Großteil der Menschheitsgeschichte entschied aber offenbar sehr wohl der soziale Status über den Fortpflanzungserfolg eines Mannes, berichten Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" .

Die Anthropologen Christopher von Rueden von der University of Richmond und Adrian Jaeggi von der Emory University in Atlanta analysierten 46 Studien über 33 nichtindustrielle Gesellschaften, in denen ein Zusammenhang zwischen Ansehen und Reproduktionserfolg untersucht wurde. Der Status wurde dabei mithilfe verschiedener Kriterien gemessen - dazu zählten etwa körperliche Merkmale, Jagdfähigkeit, materieller Reichtum und politischer Einfluss.

Die Forscher stellten fest, dass der Zusammenhang gleich groß war, egal ob die Gesellschaften vom Jagen und Sammeln oder von der Landwirtschaft oder Tierhaltung lebten.

Das genetische Erbe des Dschingis Khan

Bislang gingen Biologen dagegen davon aus, dass der Status des Mannes erst an Bedeutung gewann, als die Menschen sesshaft wurden, Nahrungsmittel anbauten und Tiere hielten. Die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte lebten Männer und Frauen aber als Jäger und Sammler. Diese Gesellschaften galten als egalitärer, da sie mehr auf Kooperation angewiesen waren, es gab weniger Besitzunterschiede und die Mitglieder der meist nomadenhaft lebenden Gruppen wechselten häufig.

Das wohl eindrucksvollste Beispiel für die Fortpflanzungsfähigkeit mächtiger Nomadenherrscher ist Dschingis Khan. So zeigen Millionen heute lebender Männer eine genetische Abstammung zu ihm.

Einfluss von Status in modernen Gesellschaften

Laut den Forschern beruht der Reproduktionserfolg im Wesentlichen auf zwei Aspekten: der Fähigkeit und Möglichkeit viele Kinder zu zeugen sowie diese am Leben zu erhalten.

Die Metastudie bestätige die Vermutung, dass der Status besonders zu Ersterem beiträgt. Das zeige sich auch in modernen und monogamen Gesellschaften: Ein Mann mit hohem Status bekomme die aus biologischer Sicht bessere Partnerin - zum Beispiel eine junge, fortpflanzungsfähige Frau. Allerdings wirkt sich das kaum mehr auf die Anzahl der Kinder aus, da sich diese heute steuern lässt.

"Wir können heute von einem Abriss der ursprünglich sinnvollen Kopplung männlicher Status - reproduktiver Erfolg sprechen. Ob die Abkopplung evolutionär adaptiv, in anderer Weise sinnvoll, unerheblich oder ungünstig ist, wird die Zukunft zeigen", sagt Humanethologe und Max-Planck-Forscher Wulf Schiefenhövel, der nicht an der aktuellen Studie beteiligt war.

Suche nach Erfolgsmann lässt erfolgreiche Frauen kinderlos

Ulrich Kutschera vom Institut für Biologie der Universität Kassel weist darauf hin, dass auch in modernen Gesellschaften das Hypergamieprinzip  gelte, nach dem Frauen die evolutionär herausgebildete Tendenz haben, ranghöhere Männer zu bevorzugen - auch Hochheiraten genannt. Die Suche nach einem Mann mit hohem Status führe heute allerdings gerade nicht dazu, dass die Kinderzahl steige.

"Eine naturwidrige Bevölkerungspolitik führt dazu, dass gebildete Frauen erst spät an Nachwuchs denken, wenn die qualifizierten Männer schon vergeben sind", argumentiert er. Frauen verzichteten dann mitunter lieber auf Kinder und eliminierten so ihr Genom, als sich mit einem Durchschnittsmann fortzupflanzen.

jme/dpa