Malaria Bekämpfung mit genveränderten Moskitos
Das Team von Wissenschaftlern des Imperial College in London und des Europäischen Molekularbiologie-Labors (EMBL) in Heidelberg hat seine Ergebnisse im britischen Magazin "Nature" veröffentlicht. Die Forscher hatten die Eier der Mückenart Anopheles stephensi chemisch behandelt, um das Erbgut für Manipulationen zugänglich zu machen. Dann konnten sie dort ein zusätzliches Gen einbringen, das ein fluoreszierendes Protein produziert. Dieses Protein verleiht unter ultraviolettem Licht den erwachsenen Tieren eine grün leuchtende Farbe und markiert diejenigen Mücken, die erfolgreich manipuliert wurden.
Die Veränderung des Erbguts gelang mit so genannten "springenden Genen" oder Transposons. Die kurzen DNS-Sequenzen wurden in die Eier der Tiere injiziert und "sprangen" anschließend an eine bestimmte Stelle des Mückengenoms. Diese Transposons können weitere genetische Informationen mit sich führen, in diesem Fall das Marker-Gen für die Färbung der Mücken. Es könnten aber auch andere DNS-Sequenzen ins Mückenerbgut eingefügt werden, die Schutz gegen eine Malaria-Infektion bieten würden.
Dabei gibt es nach den Theorien der Wissenschaftler drei verschiedene Ansatzpunkte. Angriffspunkt könnte zum einen der Malaria-Erreger Plasmodium sein, der beim Stich der Anopheles-Mücke übertragen wird. Andrea Crisanti, Chef des internationalen Wissenschaftlerteams erklärt: "Wir könnten innerhalb der Mücke eine Umgebung schaffen, welche die Malaria erregenden Parasiten davon abhält, dort zu leben." Als zweite Möglichkeit schlägt Crisanti vor, das Verhalten der Mücke genetisch so zu verändern, dass die Tiere anstelle von Menschen nur Tiere stechen würden. Ein dritter Vorschlag des Wissenschaftlers ist, männliche Exemplare der Anopheles-Mücke durch Genomveränderung zu sterilisieren und die Population der Mücken auf diese Weise zu senken.
Binnen sechs Jahren könnte das Forscherteam eine genetisch modifizierte Mücke gezüchtet haben, die "widerstandsfähig und sicher ist und physiologisch unfähig, den Malaria verursachenden Parasiten zu übertragen", sagt Andrea Crisanti.
Die genetisch veränderten Mücken dürften nach Ansicht von Experten eine solche Immunität schnell unter der Wildpopulation verbreiten. Da nicht nur Menschen, sondern auch die Mücken durch den Plasmodium-Parasiten geschwächt werden, haben Tiere, die nicht mehr erkranken können, einen genetischen Vorteil. Daher wäre zumindest langfristig damit zu rechnen, dass die infektionsgefährdeten Mücken aussterben und der Malaria-Übertragungsweg zum Menschen so endgültig unterbrochen wird.
Doch mehrere Wissenschaftler äußern sich skeptisch zu diesem Zukunftsszenario. Craig Coates, Genforscher aus Texas merkt an: "Die Konsequenzen und Risiken, die mit einem Aussetzen von genetisch veränderten Moskitos verbunden sind, werden viel Forschungsaufwand und sehr sorgfältige Betrachtungen brauchen." Noch kritischer argumentiert der Londoner Malariaforscher Chris Curtis: "Ich bezweifle, dass Malaria-immune, manipulierte Moskitos jemals mehr werden als eine Laborkuriosität. Ich denke, dass die Schwierigkeit, genetische Veränderungen tatsächlich in Populationen durchzusetzen, stark unterschätzt wurde."
Jedes Jahr infizieren sich in Entwicklungsländern und Tropengebieten 300 bis 500 Millionen Menschen mit Malaria. Über eine Million von ihnen verstirbt an der Krankheit. Derzeit werden jährlich 120 Millionen Dollar für die Malaria-Bekämpfung aufgegeben. Die WHO will mit dem Programm "Rollback Malaria" afrikanische Familien mit insektizidbehandelten Moskitonetzen ausstatten und die Zahl der Malaria-Toten auf diese Weise bis zum Jahr 2010 halbieren.