Mars-Sonde: Landung im Canyon? - DER SPIEGEL
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Mars-Sonde Landung im Canyon?

Die verschollene Mars-Sonde "Polar Lander" könnte möglicherweise in einer tiefen Schlucht gestrandet sein. Diese Vermutung haben Nasa-Verantwortliche jetzt geäußert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Pasadena - Auch mehr als einen Monat nach der offensichtlich missglückten Landung der Sonde "Mars Polar Lander " wissen Nasa-Verantwortliche noch immer nicht, was schief gelaufen ist. Jetzt macht eine neue Spekulation die Runde.

Der anvisierte Landeplatz ist keinesfalls so eben, wie in der Öffentlichkeit immer gedacht. Ein gut 1,5 Kilometer tiefer und fast acht Kilometer breiter Canyon zieht sich quer durch die fast 4000 Quadratkilometer große Ebene. Für die Nasa  keine Überraschung: "Wir wussten von Anfang an von dieser tiefen Schlucht", so Richard Zurek, verantwortlicher Wissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory . "Wir wussten, dass das ein Gebiet ist, in dem wir nicht unbedingt runterkommen wollten."

Allerdings nehme der Canyon lediglich zehn Prozent der geplanten Landefläche ein. Von daher könne, so Zurek, keinesfalls davon ausgegangen werden, dass der 165 Millionen Dollar teure Lander in die Schlucht gestürzt sein muss. Genauso wahrscheinlich seien Fehler an der Sonde, Probleme beim Eintritt in die dünne Mars-Atmosphäre oder einfach eine zu harte Landung.

Wie die "Denver Post " berichtet, war die Existenz des Canyons dagegen nicht überall bekannt. Mitglieder des Teams der Firma Lockheed Martin, die die Sonde während der Mission steuerten, seien von der Nachricht "überrascht" gewesen. Für Zurek unverständlich: "Die Schlucht spielte eine wichtige Rolle bei unserer Suche nach einem geeigneten Landeplatz." Es sei sogar versucht worden, eine andere Stelle auf der Marsoberfläche zu finden. Doch das hätte den Lander in "sogar noch gefährlicheres" Terrain gebracht.

Die Nasa sucht derweil weiter nach dem Bremsfallschirm der Sonde. Dieser müsste von Satelliten, die den Mars umkreisen, sichtbar sein - zumindest in der Theorie. Ein Fund des Fallschirms könnte, so Zurek, Klarheit darüber geben, ob der Lander in den Canyon gestürzt ist oder ob nicht doch ein mechanischer Defekt vorliegt.