Maya-Fund: Grabbeigaben für Großvater Geier - DER SPIEGEL
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Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Grabbeigaben für Großvater Geier

Im Westen von Guatemala haben Archäologen das Grab eines Priesters gefunden, der als ältester bekannter Maya gilt. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: die Suche nach den Toten von Hastings und Rätselraten um einen goldenen Becher.
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Er war einer der ganz Großen der Geschichte: Im Westen von Guatemala haben Archäologen das Grab von K'utz Chman gefunden. Der Priester regierte die Stadt Tak'alik Ab'aj und gilt als der älteste bekannte Maya.

"Großvater Geier": Jadefigur aus dem Grab von K'utz Chman

"Großvater Geier": Jadefigur aus dem Grab von K'utz Chman

Foto: AFP/ Parque Arqueologico Nacional Takalik Abaj

"Er war ein großer Häuptling", sagt Ausgräber Miguel Orrego, "er überbrückte die Lücke zwischen den Kulturen der Olmeken und der Maya." K'utz Chman ist bekannt dafür, dass er kulturelle Neuerungen wie den Bau von Pyramiden und Skulpturenporträts der Herrscherfamilien einführte.

Als Grabbeigaben hatten seine Untertanen dem Herrscher reichen Jadeschmuck, darunter eine Halskette mit einer geierköpfigen Menschengestalt als Anhänger, mit ins Grab gegeben. Diese Figur ist ein Symbol für Macht und Reichtum - eine Auszeichnung, die angesehenen alten Männern verliehen wurde. Dazu passt auch der Name des Toten: K'utz Chman bedeutet in der Sprache der Maya "Großvater Geier". Die Archäologen konnten mit Hilfe von Radiokarbondatierungen das Alter des Grabes zwischen 770 und 510 v. Chr. bestimmen. Allerdings fanden sie nur noch Beigaben. Die Gebeine von Großvater Geier hatte die Erde sich bereits wieder restlos zurückgeholt.

+++ Wer trank aus dem goldenen Becherlein? +++

In der Bronzezeit kam jemandem in einer Kiesgrube nahe der heutigen norditalienischen Ortschaft Montecchio Emilia eine goldene Tasse abhanden. Diese entdeckten Archäologen im März diesen Jahres und konnten sie nun auf etwa 1800 vor Christus datieren. Doch wer daraus trank oder warum der Besitzer sie in der Kiesgrube zurückließ, bleibt weiterhin ein Rätsel.

Ganz in der Nähe standen einige Siedlungen, die aber zeitlich nicht ganz zu der Tasse passen. Sie stammen aus der späten Jungsteinzeit und aus der Bronzezeit (6. bis 3. Jahrtausend v. Chr.). Ein naher Urnenfriedhof aus der mittleren Bronzezeit (14. bis 12. Jahrhundert v. Chr.) ist hingegen zu jung, um mit dem Eigentümer der Tasse in Verbindung gebracht zu werden. Auch etruskische Gräber liegen nicht weit weg vom Fundort.

Die jetzt veröffentlichte Untersuchung der Tasse beschreibt, was mit ihr geschah: Wahrscheinlich wurde sie bereits in der Bronzezeit mutwillig zerstört. In späteren Jahrhunderten riss dann ein Pflug sie aus der Erde und zerdrückte sie noch weiter. Das wertvolle Material und die mutwillige Zerstörung könnten Indizien dafür sein, dass die Tasse ein rituelles Gefäß war. Der einzige weitere Hinweis auf ihre Herkunft ist ein Goldschatz, der am 18. Januar 1782 auf einem benachbarten Feld gefunden wurde.

Nur war in jener Zeit leider kaum jemand an einer wissenschaftlichen Untersuchung der Stücke interessiert - sie wurden eingeschmolzen und das Gold verhökert. Goldtassen waren offenbar in der Bronzezeit in weiten Teilen Europas in Gebrauch: Weitere Stücke sind sind aus Fritzdorf, Deutschland, sowie aus Rillaton im britischen Cornwall und Ringlemore in der Grafschaft Kent bekannt.

"Der Fund verbindet diese Region Italiens mit den Hengeanlagen Großbritanniens und der Gegend von Nordrhein Westfalen", folgert der Leiter der Archäologischen Denkmalpflege von Emilia Romagna, Filippo Maria Gambari. Als nächstes wollen die Forscher untersuchen, ob in dem 12 Zentimeter hohen und 500 Gramm schweren Gefäß aus 1,5 Millimeter dicker Goldfolie noch Spuren des Inhalts erhalten sind. Weiterhin soll das Gold auf seine Herkunft analysiert werden.

+++ Ruhen die Toten von Hastings im Graben? +++

Fotostrecke

Schlacht von Hastings: Sag' wo die Soldaten sind

Foto: Hulton Archive / Getty Images

"Sag' wo die Soldaten sind..." sang Pete Seeger im Jahr 1955. Der britische Historiker John Grehan glaubt, darauf eine Antwort zu haben - zumindest für die 10.000 Toten der Schlacht von Hastings. Es war einer der höchsten Blutzölle in der britischen Geschichte. In dieser Schlacht besiegte im Jahr 1066 Wilhelm der Eroberer den alten König Harold Godwinson, den letzten der angelsächsischen Könige. Damit begann die normannische Herrschaft über England.

Der Verbleib der Toten von Hastings ist bis heute eines der großen Mysterien der britischen Geschichte. Bisher steht in den Geschichtsbüchern, dass Harald von der Kuppe des Caldbec Hill auf den Senlac Hill den Normannen entgegenzog. Grehan hat nach eingehender Studie zeitgenössischer Quellen nun die Vermutung, dass statt dessen vielmehr Wilhelm zu Harald auf den Caldbec Hill stürmte.

Seine Studien hat er in dem Buch "The Battle of Hastings - The Uncomfortable Truth" dargelegt, das im Januar erscheinen wird. Am Fuß des Caldbec Hill liegt eine Stätte namens Malfose ditch. In diesen Graben, glaubt Grehan, haben die Überlebenden die Toten den Hang des Hügels hinabgerollt und den Graben anschließend mit Erde aufgefüllt. "Nur zwei Tage nach der Schlacht zogen die Normannen weiter in Richtung Winchester", schreibt er in seinem Buch. "Sie hatten zwei Tage Zeit, um Tausende von Leichen zu beseitigen. In so kurzer Zeit schafft es niemand, so viele Gräber zu graben."

+++ Verzauberter Mann aus der Jungsteinzeit +++

Figur aus der Jungsteinzeit: Verzauberter von Begues

Figur aus der Jungsteinzeit: Verzauberter von Begues

Foto: Universitat de Barcelona

Normalerweise beschäftigten sich Künstler der Jungsteinzeit lieber mit der weiblichen Anatomie als mit der männlichen. Doch nun scheint ausgerechnet die älteste bekannte Skulptur der Iberischen Halbinsel ein Mann zu sein. Archäologen des Collectiu per la Investigació de la Prehistòria i l'Arqueologia del Garraf-Ordal (CIPAG) und des Prähistorischen Seminars der Universität Barcelona (SERP) entdeckten das Kunstwerk aus Ton in der Can Sadurní Höhle nahe der katalonischen Stadt Begues.

Erhalten sind der Torso und der rechte Arm der rund 6500 Jahre alten Figur. Insgesamt ist sie noch acht Zentimeter groß, ursprünglich waren es wohl 16 bis 18 Zentimeter. Auffällig ist die Abwesenheit von Brüsten: Der Dargestellte ist eindeutig ein Mann. Der Hals ist komplett erhalten, allerdings ohne Kopf darauf - wahrscheinlich war er abnehm- und austauschbar. Die Arme sind ausgestreckt und am Ansatz gebohrt. Die Löcher dienten vermutlich dazu, die Figur an einem Lederband aufzuhängen und um den Hald zu tragen oder in der Höhle aufzuhängen. Da der Winkel zwischen dem Becken und dem Ansatz der Beine weniger als 180 Grad beträgt, hockte der Mann mit angewinkelten Beinen.

Die Höhle, in der das Stück gefunden wurde, diente im Neolithikum als Treffpunkt und Festplatz. Aus ihr stammt auch der älteste Nachweis auf der Iberischen Halbinsel für die Herstellung und den Konsum von Bier. Die Einwohner der naheliegenden Stadt Begues werden auch "Els Encantats" genannt - "die Verzauberten". Daher gaben die Ausgräber der Figur den Namen "El Encantat de Begues" - "der Verzauberte von Begues".

+++ Tempelabriss nach Sonnenfinsternis +++

Am Morgen des 3. August 650 verdunkelte sich über dem Himmel von Mexiko die Sonne. In Pañhu, nahe der heutigen Stadt Tecozautla, nahmen die Einwohner die Sonnenfinsternis als Omen: Das Ende eines Zyklus war gekommen. Die Otomi wussten, was zu tun war. Sie entweihten die Hauptpyramide und gruben die Weihgaben, die sie in den Jahren zuvor dem Schutzgott gemacht hatten, wieder aus. Über den Ruinen der alten Pyramide errichteten sie anschließend eine neue - für damalige Zeiten ganz modern im Stil der Spätklassik (650 bis 900 n. Chr.). Die Spuren dieser Taten haben Archäologen nun gefunden. Sie entdeckten den verbrannten Boden, auf dem die alte Pyramide einst gestanden hatte. "In diesen alten Gesellschaften war die Sonnenfinsternis eine Katastrophe - darum mussten sie Opfer bringen, um den Stern am Leben zu erhalten", erklärt Grabungsleiter Fernando Lopez Aguilar.

Eine solche Verbindung eines archäologischen Fundes mit einem genauen Datum ist ein seltener Glücksfall. Der Schutzgott, der die Bewohner von Pañhu vermeintlich im Stich gelassen hatte, war vermutlich der alte Feuergott. Er war unter den Namen Huehueteotl, Xiuhtecuhtli oder Otontecuhtlu bekannt. Bei den Ausgrabungen fanden die Archäologen auch Belege für den regen Handel, den die Leute von Pañhu betrieben. Die Otomi besaßen unter anderem Türkise aus Neu Mexiko, Jadeit aus dem Valle de Motagua in Guatemala und Muscheln aus dem Golf von Mexiko.