Medizin Biowaffe gegen Bakterien
New York - Einst wurden Antibiotika als Wunderwaffe gegen bakterielle Infektionskrankheiten gerühmt, durch den übereifrigen Einsatz der Medikamente entwickeln jedoch immer mehr Bakterien Abwehrmechanismen. Die Hoffnungen vieler Mediziner ruhen deshalb auf den so genannten Bakteriophagen, mit denen sich das Problem der Resistenz umgehen lässt. Diese spezialisierten Viren befallen die Krankheitserreger, replizieren sich in ihrem Innern und durchbrechen schließlich die Zellwand, um wieder andere Bakterien anzugreifen.
Obwohl immer mehr Labors an Therapien mit Bakteriophagen arbeiten, ist die mögliche Alternative zur Antibiotika-Behandlung noch nicht ausgereift. Nun könnten die Forschungen eines Teams um Vincent Fischetti von der Rockefeller University in New York dem Verfahren weiteren Auftrieb geben. Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei ihren Versuchen auf Streptokokken der Gruppe A. Diese weit verbreitete Bakterienart ist zwar nicht direkt lebensgefährlich, verursacht aber Halsentzündungen, die mitunter zu rheumatischem Fieber und Herzschäden führen können.
Die Bakteriophagen, die die A-Streptokokken befallen, produzieren nach ihrer Vermehrung in den Bakterien ein Enzym, mit dem sie die Zellwand aufsprengen. Fischetti und seine Kollegen isolierten dieses Enzym und behandelten damit Streptokokken-Kolonien - offenbar mit durchschlagendem Erfolg: "Es bringt die Bakterien sofort um", berichtet Fischetti. "Wenn wir in ein Reagenzglas mit zehn Millionen Streptokokken eine winzige Menge des Enzyms geben, sind nach fünf Sekunden alle Bakterien tot." Der Forscher ist zuversichtlich, dass die Methode in Zukunft auch bei anderen bakteriellen Erkrankungen helfen kann.
Das Phagenenzym kann zwar vermutlich keine Infektionen heilen, dafür aber weiteren Entzündungen vorbeugen, glaubt der Wissenschaftler. Mehrmals am Tag als Spray verabreicht, soll das Enzym die Verbreitung der A-Streptokokken verhindern. Die US-Streitkräfte haben bereits Interesse bekundet: Derzeit werden die Rekruten noch mit einer Penicillin-Injektion behandelt, um Halsentzündungen zu vermeiden. Doch resistente Bakterienstämme bereiten auch hier zunehmend Probleme, so dass sich das Militär nach Alternativen umsehen muss.