Medizin: Mutation steigert Schizophrenie-Risiko - DER SPIEGEL
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Medizin Mutation steigert Schizophrenie-Risiko

Bis heute ist nicht klar, welche Ursachen die Schizophrenie hat. Forscher sind den Grundlagen der psychischen Erkrankung jetzt näher gekommen: Sie haben charakteristische Erbgutveränderungen bei Betroffenen gefunden.
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Bonn - Schon lange wird angenommen, dass Schizophrenie unter anderem genetisch bedingt ist. Doch allein durch Vererbung lässt sich die Krankheit nicht erklären - denn sonst müsste das psychische Leiden immer seltener werden, da die Betroffenen oft keine Kinder bekommen. Doch das Erkrankungsrisiko liegt seit Jahrzehnten weltweit bei einem Prozent - nahezu unabhängig davon, wo und unter welchen Umständen die Menschen leben.

Forscher glauben, dass spontane Veränderungen des Erbguts eine Erklärung sein könnten. Wenn Gene betroffen sind, die mit der Hirnfunktion zu tun haben, könne Schizophrenie quasi aus dem Nichts entstehen. Ein internationales Wissenschaftlerkonsortium hat nun drei Regionen im Erbgut identifiziert, die häufig spontan mutieren. Träger dieser Mutationen hätten ein bis zu 15-fach erhöhtes Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, schreiben die Forscher in zwei Artikeln im Fachmagazin "Nature" und einem Aufsatz im Magazin "Nature Genetics" .

Die Forscher hatten zunächst das Erbgut gesunder Jugendlicher mit dem ihrer Eltern verglichen, um spontane genetische Veränderungen zu identifizieren. Dabei fanden sie 66 Mutationen, die bei den Jugendlichen neu aufgetreten waren. Danach prüften die Experten bei fast 5000 Schizophrenie-Patienten, ob bei ihnen eine oder mehrere dieser 66 Mutationen auffällig oft vorkamen. Tatsächlich fanden sich drei Mutationen bei den Kranken viel häufiger als bei Gesunden.

Es handelte es sich um sogenannte Deletionen: Bei den Patienten fehlen ganze Erbgutregionen mit mehreren Genen. Die betroffenen Regionen enthalten den Forschern zufolge offenbar Gene, die mit der Hirnfunktion zu tun haben. Diese wollen sie weiter untersuchen, um neue Erkenntnisse zur Krankheitsentstehung zu gewinnen. Zwar könnten die Mutationen nur einen kleinen Teil aller Schizophrenie-Fälle erklären. Dennoch sei dies ein guter Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen.

"Viele Eltern eines schizophrenen Kindes fragen sich, inwiefern sie selbst an der Krankheit schuld sind – sei es durch eine falsche Erziehung oder auch den Beitrag ihrer Gene", sagt die Mannheimer Psychiaterin Marcella Rietschel. "Unsere Studie zeigt aber ganz klar, dass spontane Mutationen die Krankheit auslösen können. Über eine Schizophrenie entscheidet ganz wesentlich der Zufall."

chs/AP