Medizin: Speicheltest weist Krebs nach - DER SPIEGEL
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Medizin Speicheltest weist Krebs nach

Durch eine Analyse ihres Speichels, Urins oder ihrer Lungenflüssigkeit könnte einigen Patienten in Zukunft eine Biopsie erspart bleiben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington D.C. - In einer Studie konnten Forscher Anzeichen für bösartige Zellveränderungen in Körperflüssigkeiten entdecken. Die Wissenschaftler von der Johns Hopkins University in Baltimore - unter ihnen auch ein von der Deutschen Krebshilfe unterstützter, deutscher Mediziner - untersuchten entsprechende Proben von solchen Patienten, die Tumore im Bereich des Nasen/Rachenraumes ("Head an Neck"), der Blase oder der Lunge hatten. Bei Lungenkrebs wurde Lungenflüssigkeit, bei Blasenkrebs Urin und in den beiden anderen Gruppen Speichel analysiert.

Laut eines in der Zeitschrift "Science" veröffentlichten Artikels wiesen die in den Proben enthaltenen Zellen eine erhöhte Rate an Mutationen innerhalb der so genannten Mitochondrien auf. Mitochondrien sind Zellorganellen, die als eine Art Kraftwerk fungieren und für die Energiegewinnung zuständig sind. Sie spielen daher auch eine wichtige Rolle bei der Nährstoffversorgung von Tumoren. Wie der Zellkern enthalten auch die Mitochondrien DNS.

"Zu unserer Überraschung fanden wir in zwei Dritteln der untersuchten Fälle Mutationen innerhalb des Mitochondrien-Genoms. Diese Veränderungen treten zwar nicht bei allen Tumoren auf, aber wenn sie vorhanden sind, können wir sie nachweisen", sagte David Sidransky, einer der beteiligten Forscher.

Die Wissenschaftler hatten bereits mehrere Jahre nach möglichen Indikatoren für Tumorwachstum gesucht, sich aber bisher auf den Zellkern konzentriert. Nach Angaben von Sidransky erwies sich diese Methode jedoch als schwierig.

"Der Durchbruch war letztendlich, dass wir die Mutationen der Mitochondrien statt der der Zellkerne unter die Lupe genommen haben. Vorher war es für uns einfach unvorstellbar, dass Mitochondrien derartig viele Mutationen aufweisen würden", meinte er.

Ziel sei es nun, die Test weiterhin zu verbessern und der Allgemeinheit verfügbar zu machen.

Die Resultate seien vor allem für Patienten nach einer Krebsbehandlung interessant, die regelmäßig auf erneutes Auftreten von Tumoren untersucht werden müssten, bewertete Garth Anderson, ein an der Studie nicht beteiligter Mediziner des Roswell Park Cancer Instituts in Buffalo, die Ergebnisse. Die Tests könnten sich als ein nützliches Verfahren für die Krebsdiagnostik herausstellen.